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Deutschland ist Supercomputer-Schwergewicht

23.06.2009 | 11:45 Uhr |

Die heute, Dienstag, im Rahmen der International Supercomputing Conference 09 veröffentlichte Liste der aktuell 500 rechenstärksten Supercomputer der Welt wird zwar mit von zwei US-Rechnern angeführt. Doch schon auf Platz drei folgt ein Supercomputer des Forschungszentrums (FZ) Jülich.

"Dieser Rechner wird dem High Performance Computing (HPC) in Deutschland und Europa einen neuen Schub geben", meint Michael Resch, Direktor des High Performance Computing Center Stuttgart (HLRS ). Auch das HLRS ist Teil einer deutschen HPC-Phalanx, die sich in Sachen Gesamtrechenleistung der in den Top 500 vertretenen Rechnern nur den USA geschlagen geben muss.

Europas stärkster Superrechner Jugene erreicht zwar laut Linpack-Benchmark nur eine Rechenleistung von 825,5 Teraflops und knackt die Petaflop-Marke eine Billiarde Rechenoperationen pro Sekunde - laut Top-500-Liste lediglich theoretisch. Dennoch schafft das FZ Jülich auch praktisch ein Petaflop Rechenleistung, denn mit dem Superrechner Juropa auf Platz zehn ist die Einrichtung gleich doppelt in der absoluten HPC-Spitze vertreten. Doch auch sonst ist Deutschland in den Top 500 stark aufgestellt, unter anderem dank dem Norddeutschen Verbund zur Förderung des Hoch- und Höchstleistungsrechnens (HLRN). Er ist mit insgesamt vier Silicon-Graphics-Systemen an den Standorten Berlin und Hannover auf den Plätzen 43, 44, 199 und 200 vertreten. "Es besteht eine Zehn-Gigabit-Verbindung zwischen den Standorten, so dass die Systeme miteinander verschaltet werden könnten", sagt Ralf Bröck, Vorsitzender der technischen Kommission des HLRN. Theoretisch würde das genug Rechenleistung bündeln, um damit den zwölftstärksten Superrechner der Welt auszustechen.

Auf Platz 77 im internationalen Ranking findet sich der derzeit stärkste Rechner des HLRS, ein HPC-Cluster von NEC auf Basis von Xeon-Prozessoren. In Koopration des Rechenzentrums mit NEC wird in Stuttgart ein Hybridkonzept erarbeitet, auf dem laut NEC verschiedenste Anwendungen äußerst effizient laufen sollen. Als Entwicklungsschritt wird der HPC-Cluster mit einem NEC-Vektorrechner zur hybriden Plattform kombiniert. Mittelfristig werden sich Hybridsysteme breit durchsetzen, ist man in Stuttgart überzeugt. ?Die Möglichkeit, zehn Mal so viele Transistoren einzusetzen, wird man nicht damit vergeuden, neue Prozessoren mit noch mehr identischen Kernen auszustatten?, meint Resch. Er rechnet mit der Zusammenführung von CPU-, Grafik- und anderen Rechenkernen in einem Chip. Auch die aktuelle Nummer eins der Top 500, Roadrunner, sei ein hybrides Konzept, betont der Informatiker.

Aktuell finden sich 29 deutsche Rechner in der Top-500-Liste, was den dritten Platz hinter den USA (291) und Großbritannien (44) bedeutet. Allerdings warten die Briten kein Top-Ten-System und nur fünf der 100 leistungsstärksten Superrechnern auf, während Deutschland in den Top 100 insgesamt neun Mal vertreten ist. Die Gesamtrechenleistung der 29 deutschen Superrechner von über 2,6 Petaflop liegt daher hinter den USA auf Platz zwei. Ein weiterer Gewinner des aktuellen Rankings ist Saudiarabien. Mit Shaheen, einem IBM-System an der King Abdullah University of Science and Technology, ist ein Superrechner des Königreichs der leistungsfähigste Asiens. Insgesamt nimmt Shaheen Platz 14 im Ranking ein, geschlagen nur von elf US-Systemen und den zwei Jülich-Rechnern. (pte)

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