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Tool soll Netz-Neutralität von Providern testen

02.08.2006 | 11:51 Uhr |

In den USA ist die Diskussion um die Netz-Neutralität bereits im vollen Gang, während hier zu Lande noch erste Duftmarken gesetzt werden. Vereinfacht gesagt bedeutet Netz-Neutralität, dass Providern dazu verpflichtet werden sollen, jeglichen Traffic, der durch ihre Netze läuft, gleichberechtigt zu behandeln und nicht etwa Sites oder Dienste von anderen Unternehmen langsamer auszuliefern als eigene Angebote. Im US-Kongress wird derzeit über Gesetze debattiert, die eine Netz-Neutralität vorschreiben.

Auf der Sicherheitskonferenz Black Hat, die derzeit in Las Vegas stattfindet, will der Sicherheitsexperte Dan Kaminsky ein Tool vorstellen, mit dem Anwender überprüfen können, ob sich ihr Provider in Sachen Gleichbehandlung der Datenströme fair verhält, oder nicht. Kaminsky ist der Ansicht, dass ein Gesetz zur Netz-Neutralität kommen wird. Aber: "Wenn Sie per Gesetz vorschreiben, dass Netzwerke neutral sein müssen, stellt sich die Frage 'Wie testen Sie das?'", so Kaminsky. "Ich werde sicherstellen, dass derartige Tools rechtzeitig bereit stehen werden."

Die Software soll dabei feststellen können, ob bestimmte Typen des TCP/IP-Datenverkehrs besser behandelt werden, als andere. Als Beispiel werden dabei der Verlust von VoIP-Daten oder die langsamere Auslieferung von verschlüsselten Daten genannt. Kaminsky nennt seine Technik "TCP-based Active Probing for Faults". Sie soll ähnlich funktionieren wie " Traceroute ", mit dem festgestellt werden kann, welchen Weg ein Datenpaket zwischen zwei Rechnern einschlägt.

Im Gegensatz zu Traceroute soll die Lösung von Kaminsky allerdings in der Lage sein, Datenpakete so erscheinen zu lassen, als handele es sich um eine bestimmte Applikation (zum Beispiel VoIP) oder als stamme sie von einem bestimmten Anbieter. Auf diese Weise könne festgestellt werden, ob ein Provider bei der Auslieferung der Daten bestimmte Inhalte als Zweite Klasse behandelt.

Auf der Black Hat will Kaminsky eine Basis-Version des Tools vorstellen, eine ausgereifte Fassung soll kostenlos in etwa sechs Monaten folgen. Kaminsky erklärte, dass er neugierig darauf sei, was die Anwender mit dem Tool anstellen werden. "Die Leute werden beginnen, (Netzwerke, Anm. d. Red.) zu überprüfen und wer weiß, was sie dabei finden werden?", so Kaminsky.

Auf dieser Seite will der Experte Informationen zu "TCP-based Active Probing for Faults" veröffentlichen.

Die US-Provider sehen die Sache mit der Netz-Neutralität naturgemäß anders. Demzufolge würden Gesetze, die ihnen Neutralität vorschreiben würden, die Unternehmen daran hindern, neuartige Dienste entwickeln zu können. Die Gegenseite wiederum weist darauf hin, dass diese Gesetze unumgänglich sind, da nur so das Netz gleichberechtigt und offen für alle Anbieter ist - ein Umstand der auch maßgeblich zum Erfolg des Internets beigetragen hat.

In Deutschland befindet sich die Diskussion um Netz-Neutralität noch in der Anfangsphase. Wenngleich Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke sich bereits in dieser Richtung geäußert hat. Demnach wird bei der Telekom darüber nachgedacht, dass Web-Unternehmen an die Telekom zahlen müssen, wenn sie das neue Glasfasernetz des Unternehmens nutzen möchten ( wir berichteten ).

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