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Time Warner und EMI fusionieren nicht

05.10.2000 | 16:23 Uhr |

Der US-Medienkonzern Time-Warner und die britische Musik-Gruppe EMI haben ihre Pläne, zum größten Musikkonzern der Welt zu fusionieren, zunächst zurück gezogen. Die EU-Kommission in Brüssel setzte daraufhin am Donnerstag die laufende Prüfung aus.

Der US-Medienkonzern Time-Warner und die britische Musik-Gruppe EMI haben ihre Pläne, zum größten Musikkonzern der Welt zu fusionieren, zunächst zurück gezogen. Die EU-Kommission in Brüssel setzte daraufhin am Donnerstag die laufende Prüfung aus. Dagegen werden die weiter gehenden Fusionspläne von Time-Warner und AOL noch bis zum 24. Oktober untersucht.

EMI-Chef Eric Nicoli erklärte in London, beide Unternehmen führten weiterhin Gespräche, "um zu versuchen, eine Verbindung zu schaffen, die von allen Seiten akzeptiert werden kann". In einer EMI-Erklärung heißt es weiter: "Die Zurückziehung unseres Antrags gibt zusätzliche Zeit, um über die Bedenken der Aufsichtsbehörde zu beraten und um sowohl in Europa als auch in den USA nach Lösungen zu suchen."

Die Kommissionssprecherin verwies auf den Termin 18. Oktober, zu dem die Prüfung hätte abgeschlossen sein müssen. Beide Unternehmen hätten nach den Wettbewerbsregeln mindestens einen Monat vorher ihre überarbeiteten Pläne offen legen müssen, damit auch die Konkurrenz hätte informiert werden können. Da diese Frist überschritten war, hätten nun nur noch "klare und eindeutige" Vorschläge die Kommission überzeugen können.

Nicoli meinte, er sei weiter davon überzeugt, dass ein Joint Venture von EMI und Time-Warner für die Aktionäre und die Künstler sinnvoll sei. In einer Erklärung von Richard Parsons, dem Präsidenten von Time-Warner, heißt es: "Wir werden weiterhin versuchen, eine Zusammenarbeit so zu strukturieren, dass sie für die beiden Firmen sinnvoll und auch für die EU-Kommission akzeptabel ist."

Die Unternehmen hatten in den vergangenen Tagen Verpflichtungen vorgelegt, um grünes Licht vor der Kommission zu erhalten, die aber offenbar nicht ausreichten. Die EU-Kommission hat bei Fusionen ein Mitsprache- und Einspruchsrecht, wenn der Gesamtumsatz der Unternehmen auf dem europäischen Markt mehr als 250 Millionen Euro und weltweit mehr als fünf Milliarden Euro beträgt.

Die im Januar angekündigte Fusionsabsicht hätte ein Unternehmen geschaffen, in dem 2.500 Musiker - von den Rolling Stones bis hin zu Madonna - unter Vertrag stehen. Die anderen drei noch verbleibenden Wettbewerber auf dem Markt sind Universal Music, Bertelsmann und Sony Music. (PC-WELT, 05.10.2000, dpa/ mp)

PC-WELT Report: Die wichtigten Fakten zur Fusion von AOL und Time Warner

AOL steckt zurück (PC-WELT Online, 10.08.2000)

Zu viel Macht für AOL? (PC-WELT Online, 20.06.2000)

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