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Affe steuert per Gedanken und via Internet einen Roboter

16.01.2008 | 16:12 Uhr |

Wissenschaftlern aus den USA und Japan ist es erstmalig gelungen, das Gehirn eines Affens zur Steuerung eines Roboters über das Internet zu nutzen.

Die Wissenschaftler sind nun zuversichtlich, dass es nur noch wenige Jahre dauert, bis ein gelähmter Mensch in der Lage ist, über seine Gedanken mechanische Prothesen zu steuern. "Dies ist der Versuch, um die Mobilität der Menschen wieder herzustellen", sagte der Wissenschaftler Miguel Nicolelis, Professor der Neurobiologie an der Duke Universität und Leiter des Projekts, dass vor 10 Jahren startete.

Bei dem Versuch mit dem Affen wurden dessen Gehirnaktivitäten beim Laufen auf einem Laufband gemessen, auch wenn der Affe langsamer lief oder die Richtung änderte. Die ermittelten Gehirndaten wurden via Internet an einen in Japan befindlichen Roboter weitergeleitet, der die Bewegungen des Affens nachmachte.

Bereits vor einem Jahr wurden zwei Rhesusaffen insgesamt 64 Elektroden und ein Computerchip ins Gehirn eingepflanzt. Am vergangenen Donnerstag gelang dann das Experiment erfolgreich, wobei 200 Gehirnzellen-Signale gemessen wurden. Diese Signale wurden über das Internet an die Wissenschaftler in Japan gesendet und dort an einen Roboter weitergeleitet, der begann, sich zu bewegen.

"Normalerweise dauert es 250 Millisekunden, bis das Gehirn das Signal generiert, das die Beine zur Bewegung auffordert. Im selben Zeitintervall gelang es uns, dass Signal nach Japan zu senden", sagte Nicolelis. Über eine Video-Verbindung konnten die Wissenschaftler beobachten, wie der Roboter sofort die Gedanken des Affens umsetzte. "Wenn dies bei einem Menschen passieren würde, dann wäre das sehr schnell. Der Patient würde sich so fühlen, als würde er selbst die Beine bewegen", so Nicolelis.

Laut Angaben von Nicolelis konnte auch der Affe das Video mit dem Roboter sehen und merkte, dass sich der Roboter und er zeitgleich analog bewegten, worauf er amüsiert reagiert haben soll und angefangen habe, seine Bewegungen zu variieren.

Auch bei einem Menschen müssten die Elektroden und der Computerchip ins Gehirn eingepflanzt werden. Die Elektroden würden kabellos die Daten an den Chip funken und dieser wiederum kabellos seine Daten an die Prothesen senden. Mit ersten Experimenten an Menschen will man aber erst in einigen Jahren beginnen.

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