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Indien will Blackberrys abschalten

01.08.2010 | 15:29 Uhr |

Weil der indische Geheimdienst den E-Mail-Missbrauch von Blackberrys durch Terroristen befürchtet, droht den Geräten nun die Sperre von Datendiensten.

Wie die Zeitung Mint schreibt, hat das indische Telekomministerium den Hersteller RIM aufgefordert, die Überwachung des E-Mail-Verkehrs durch die Behörden zuzulassen. Zu dem Zweck sollen die Kanadier alle Daten der Blackberry-Nutzer übermitteln. Zudem wollen die Sicherheitsbehörden Zugriff auf verschlüsselte Daten erhalten. "Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschlossen. Eine Verschlüsselung ist von Profis auch mit anderen Mitteln möglich", so Torsten J. Gerpott, Lehrstuhlinhaber des Department of Technology and Operations Management an der Mercator School of Management , gegenüber pressetext. Dem Branchenbeobachter nach wird es RIM nicht auf die angedrohte Sanktion ankommen lassen. "Die Sperrung wird nicht kommen", so der Experte. RMI setze seine Stellung im indischen Markt nicht leichtfertig aufs Spiel.

Obwohl der Konzern die Aufforderung der indischen Behörde nicht öffentlich kommentiert und diese stets vertraulich behandelt, erscheint eine Einigung in Sicht. Denn ein Beamter des indischen Innenministeriums hat sich unterdessen zuversichtlich gezeigt, dass RIM die Sicherheitsbedenken ausräumt. Die Sperre von Datendiensten käme dem Unternehmen teuer zu stehen. Denn Indien ist mit 400.000 Blackberry-Nutzern der am schnellsten wachsende Mobilfunkmarkt. Auch ist der Subkontinent äußerst lukrativ für andere Hersteller.

Die Lösung des Konflikts ist für den Smartphone-Hersteller nicht zuletzt wegen der sich mehr und mehr verschärfenden Wettbewerbssituation wichtig. Denn nicht nur in den USA und Europa, sondern auch in Indien gerät der Konzern unter Druck. Vor allem Apples iPhone ist ein ernstzunehmender Konkurrent. Fachleuten nach kann RIM seine Marktführerschaft in Indien langfristig nur halten, wenn die Sicherheitsbedenken aus der Welt geschafft werden.

Die indische Regierung versteht bei der Ordnung der wachsenden Marktstrukturen keinen Spaß. Schon vor zwei Jahren hatte die Regierung RIM angezählt, die E-Mail-Überwachung zu ermöglichen. Da der Mobiltelefon-Hersteller der Forderung scheinbar nicht vollkommen nachgekommen ist, muss nun nachgebessert werden. Die Zeit drängt, denn RIM hat nur noch bis Mitte August Zeit.

(pte)

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