2053958

Telekom will VDSL-Leitungen der Konkurrenz kappen

24.02.2015 | 13:41 Uhr |

135.000 Leitungen der Konkurrenz will die Telekom kappen, um ihren VDSL-Ausbau voranzutreiben. Die Konkurrenz ist sauer.

Die Telekom ist bislang dazu verpflichtet, ihren Konkurrenten VDSL-Anschlüsse über die eigenen Hauptverteiler zu ermöglichen. Nun hat der Konzern aber bei der Bundesnetzagentur beantragt, von ihrer bisherigen Verpflichtung befreit zu werden. Man wolle das schnelle Internet ausbauen, und das sei eine Voraussetzung dafür, beteuert die Telekom . Die VDSL-Konkurrenz soll also, Klartext gesprochen, aus den Telekom-Verteilern fliegen. Dass die Konkurrenz sich das nicht gefallen lassen will, liegt auf der Hand: Die Telekom versucht den Investitions-Wettbewerb zu stoppen und schafft ein Monopol, warnt der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM).

100 Mbit/s - darum geht es im Streit

In Deutschland gibt es über 8.000 Hauptverteiler der Telekom. Von diesen Verteilern aus verläuft die häufig zitierte "letzte Meile" zum Anwender, also zu Ihnen. Um das Internetsignal auf den letzten Metern nicht durch elektromagnetische Störungen auszubremsen, setzen Telekom und Konkurrenten auf die Vectoring-Technik . Dank Vectoring sind DSL-Anschlüsse mit bis zu 100 Mbit/s möglich.

135.000 Leitungen sollen gekappt werden

Doch die notwendige Aufrüstung der Hauptverteiler scheitere an den Mitbenutzungsrechten der Konkurrenten, behauptet die Telekom: "Die bisherigen Nutzungsrechte der Wettbewerber verhindern aber, dass die Telekom ihr Netz im Nahbereich um die Hauptverteiler aufrüsten kann." Angeblich sitzen deswegen rund 5,9 Millionen Haushalte in Deutschland auf dem Trockenen, was schnelles Vectoring-DSL angeht. Um diese Haushalte mit schnellerem Internet versorgen zu können, so argumentiert die Telekom, müsste man die bestehenden VDSL-Anschlüsse der Telekom-Konkurrenz kündigen und auf ein "alternatives Produkt" umstellen. Konkret gehe es um 135.000 Leitungen.

Der VATM hält dagegen: Der Telekom-Antrag ziele eigentlich - "unter dem Deckmantel des Einsatzes neuer Technologie" - darauf, den Wettbewerb auszuhebeln. Besonders ärgerlich findet der Verband, dass bereits getätigte Investitionen durch den Antrag entwertet werden - sollte die Bundesnetzagentur ihr Ja geben.

Die Telekom will die VDSL-Aufrüstung also selbst in die Hand nehmen, verspricht aber, dass die Wettbewerber künftig Zugang zu Produkten auf Vectoring-Basis erhalten sollen: "Wir stehen für fairen Wettbewerb und Angebotsvielfalt."

Update: Die Regulierer haben bestätigt , einen solchen Antrag der Telekom bekommen zu haben. Im März soll es eine erste Anhörung geben.

In einigen weiteren deutschen Städten ist das Telekom-VDSL mit 100 Mbit/s übrigens seit wenigen Tagen erst verfügbar.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2053958