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Telekom-Drosselung weniger drastisch (Update)

12.06.2013 | 14:36 Uhr |

Die Telekom rudert zurück – zumindest etwas. Die angedrohte Bandbreiten-Drosselung bei (V)DSL-Verträgen kommt zwar, sie fällt aber weniger gravierend aus, wie die Deutsche Telekom jetzt bestätigt hat.

Die Deutsche Telekom führt die Breitband-Drosselung bei DSL- und VDSL-Flatrates ein. Das gab das Unternehmen bereits im April 2013 bekannt. Wer eine vorgegebene Volumengrenze erreicht, soll auf eine mickrige Bandbreite von 384 Kbit/s gedrosselt werden. Konkret stellten sich die bisherigen Drosselungspläne der Deutschen Telekom folgendermaßen dar:

* Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 16 Mbit/s: 75 GB
* Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 50 Mbit/s: 200 GB
* Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 100 Mbit/s: 300 GB
* Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 200 Mbit/s: 400 GB

Diese Obergrenzen gelten vorerst nur für Neuverträge und auch erst ab dem Jahr 2016, wie die Telekom betonte. Die Reaktion im Internet folgte prompt: Ein beispielloser Proteststurm brach los, über die Telekom ergossen sich Ströme von Spott: Bald war nur noch von der Drosselkom die Rede. Durch unglückliche Äußerungen von Telekom-Chef Obermann „wir drosseln nicht, wir geben Gas“ wurde der Unmut der Telekomkunden eher noch verstärkt.

Update 14:45 Uhr: Telekom bestätigt Drosselung auf 2 Mbit/s

Soweit war bis gestern Abend der Stand der Dinge. Doch jetzt hat die Deutsche Telekom bestätigt, dass die Drosselung weniger dramatisch ausfallen wird. Statt mit 384 Kbit/s sollen die betroffenen Kunden mit immerhin 2 Mbit/s nach Erreichen ihrer Traffic-Obergrenze für den Rest des Monats surfen dürfen. Damit sollten eine Reihe von Internetdiensten problemlos funktionieren und viele Kunden die Folgen der Drosselung fast nicht zu spüren bekommen. Tatsächlich betroffen von der Drosselung sind dann wohl doch nur die „Power-User“, wegen denen die Telekom nach eigener Aussage die Drosselung überhaupt einführen will.

Der genaue Wortlaut der Telekom-Mitteilung zur Änderung bei der Drosselung:

(Zitat Anfang) "Die Deutsche Telekom passt ihre neue Tarifstruktur an, die der Konzern im Rahmen der Tarifdifferenzierung ab 2016 technisch umsetzen will. Die Telekom reagiert damit auf die Sorgen von Kunden. Ab 2016 werden Kunden, sollten sie nach Aufbrauchen ihres Inklusivvolumens keine zusätzlichen Datenpakete buchen oder keine Flatrate nutzen, mit 2 Mbit/s statt wie bisher geplant mit 384 Kbit/s surfen können.

"Wir haben in den vergangenen Wochen einen intensiven Dialog mit unseren Kunden geführt und die Sorgen verstanden. Mit 2 Mbit/s liegen wir deutlich über dem Mindestrichtwert aus der Breitbandstrategie der Bundesregierung - wir haben ihn verdoppelt", sagt Niek Jan van Damme, Deutschlandchef der Telekom. Der neue Wert gilt rückwirkend auch für Verträge, die seit dem 2. Mai 2013 abgeschlossen wurden.

Die Telekom hatte Ende April eine neue Tarifstruktur im Festnetz angekündigt, die stärker auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Kundengruppen eingeht. Dabei wird es ab 2016 weiterhin Flatrates für Vielnutzer geben, die dann etwas teurer sein werden, aber auch günstigere Tarife für Normalnutzer, bei denen ein bestimmtes Datenvolumen inklusive ist. Für alle Zielgruppen - Wenignutzer, Familien und Extremnutzer - wird es passende attraktive Angebote geben.

"Eine weitere Sorge, die wir oft gehört haben, ist, dass beispielsweise Familien mit den bisher definierten Volumina in Zukunft nicht auskommen werden", so Michael Hagspihl, Geschäftsführer Marketing der Telekom Deutschland. "Wir stehen im Wettbewerb und es ist doch klar, dass wir diesen Sorgen Rechnung tragen und für alle Zielgruppen attraktive Tarifpakete schnüren werden. Aber es ist zu früh, über Details der Tarife in drei Jahren zu sprechen."

Die Telekom hatte mehrfach erklärt, dass sowohl die reduzierte Geschwindigkeit als auch die Inklusivvolumina dynamische Werte sind, die sich an den Markterfordernissen orientieren. "Die Werte sind nicht in Stein gemeißelt, auch hier gilt: Wir stellen uns der Realität. Vor der Einführung 2016 werden wir uns den Durchschnittsverbrauch unserer Kunden genau ansehen und die Inklusivvolumina gegebenenfalls anpassen", so Hagspihl weiter.

Niek Jan van Damme ergänzt: "Unser Ziel bleibt: Ein leistungsstarkes Internet für alle. Für den Ausbau ins flächendeckende Highspeed-Internet investieren wir weiterhin Milliarden - allein in den kommenden Jahren zusätzlich 6 Mrd. Euro. Damit sind wir Vorreiter in Deutschland. Wir werden unsere Tarife aber differenzieren müssen, so dass wir unsere Netzinvestitionen auch in Zukunft zurückverdienen können." (Zitat Ende).

Originell klingt diese Formulierung aus der Pressemitteilung der Telekom: " wir haben ... einen intensiven Dialog mit unseren Kunden geführt ". So kann man den Shitstorm, der im Internet über die Telekom hereingebrochen ist, auch nennen...

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