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Telekom-Chef findet DSL-Drosselung gerecht

29.04.2013 | 14:04 Uhr |

Der Telekom-Chef René Obermann erklärt in einem offenen Brief, warum die DSL-Drosselung fair ist. Und dass "Entertain" kein Internetdienst ist und darum nicht das Prinzip der Netzneutralität gilt.

Die Telekom will vermutlich 2016 ihre DSL-Anschlüsse drosseln - ab 75 GB ist dann für viele Surfen im Schneckentempo angesagt. Das Thema sorgt nicht nur auf Facebook für Kritik - auch die Bundesregierung meldete sich zu Wort. Wirtschaftsminister Philipp Rösler hat dem Telekom-Chef René Obermann einen offenen Brief geschrieben , in dem er sich besorgt zeigte und davor warnt, dass die Netzneutralität in Gefahr sei.

Kommentar: Liebe Telekom, das sehe ich nicht ein!

René Obermann hat dem Wirtschaftsminister nun in einem ebenfalls offenem Brief geantwortet. Darin bedauert er zunächst, dass die Kritik vor dem Dialog mit ihm veröffentlicht wurde und schießt zurück, dass auch Philipp Rösler die Debatte emotional führe. Wie Rösler sei auch er der Meinung, dass die Netzneutralität "im Sinne einer diskriminierungsfreien Behandlung aller Internetdienste" gewahrt bleiben müsse. Und wie Rösler wolle auch er "das freie und offene Internet". Nach diesem Prinzip handele die Telekom auch, sagt Obermann.

Doch die Begriffe "Netzneutralität" und "Sicherstellung von Wettbewerb" sieht Obermann in der aktuellen Debatte um das 75-GB-Limit missbraucht. Stattdessen stehe ein "Flatrate-Anspruch auf unbegrenztes Datenvolumen im Internet" im Vordergrund. Das werde aber nicht funktionieren, warnt der Telekom-Chef. Dazu bräuchte es Milliardeninvestitionen.

Obermann will seine "Kunden auch künftig fair behandeln und ihnen preiswerte Angebote machen". Das gelinge, verkauft er die Drosselung als Erfolg, eben durch die geplanten Limits für rund 97 Prozent der Kunden. Lediglich 3 Prozent seien von den Plänen betroffen, betont Obermann. Diese verbrauchen angeblich 10 - 20 Mal mehr Daten als der durchschnittliche Kunde. Der durchschnittliche Kunde, verrät Obermann, brauche 15 - 20 GB im Monat. Der Telekom-Chef sieht nur eine Alternative: eine Preiserhöhung für alle.

Eine Affront gegen die Netzneutralität sieht René Obermann nicht. Denn sowohl die Internetdienste der Telekom, als auch die von der Konkurrenz würden in das Limit eingerechnet werden. Das Streaming-Angebot "Entertain" sieht Obermann nicht als Internetdienst, sondern als "eine von den deutschen Landesmedienanstalten durchregulierte separate Fernseh- und Medienplattform".

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