22.02.2006, 15:15

Markus Pilzweger

Telekom-Chef: Website-Betreiber sollen an ISPs zahlen

Der Alptraum, vor dem in den USA unter anderem Vinton Cerf warnt, spukt auch hierzulande in den Köpfen der Manager herum: Website-Betreiber sollen den Providern Geld zahlen, damit deren Kunden auf ihre Angebote zugreifen können.

Bislang ist es so: Der Anwender zahlt seinen monatlichen Obolus für seinen Internet-Zugang und kann dann jede Site aufrufen, die er möchte. Website-Betreiber oder Internet-Shops wiederum haben mit (zuweilen viel) Geld ein Geschäft aufgebaut und warten nun auf den Anwender, damit dieser seine Site liest oder dort einkauft. Dazwischen sind die Leitungen der Internet Service Provider (ISP). Und die wollen nun offenbar doppelt abkassieren: Zum einen beim Anwender, und zum anderen bei Website-Betreibern, damit die Kunden der ISPs auf deren Websites zugreifen können.
Derartige Pläne existieren bereits in den USA, Internet-Ikonen wie Vinton Cerf warnen allerdings vor den negativen Folgen. Denn klar ist: Würde ein Provider bestimmen können, welche Sites seine Nutzer sehen dürfen, wäre dies das Ende des Internets in seiner jetzigen Form. Darüber hinaus würden Innovationen ausgebremst, wenn sich beispielsweise kleinere Web-Angebote die geforderten Zahlungen schlicht nicht leisten können.
Aber irgendwie scheint alles, was in den USA angedacht wird, früher oder später auch in Europa auf den Tisch zu kommen. Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke erklärte nun in einem Interview mit der Wirtschaftswoche, dass er plant, derartige Zahlungen einzuführen. Konkret angedacht ist eine derartige Lösung für das geplante Glasfasernetz der Deutschen Telekom. Begründet wird der Plan mit der Netzqualität, die kommende Anwendungen erfordern werden (sprich höhere Leistung). "Es kann nicht sein, dass nur der Kunde über das monatliche Grundentgelt für diese schöne neue Welt bezahlt. Auch alle Web-Unternehmen, die Infrastrukturen für ihr Geschäft nutzen, sollten dann ihren Beitrag leisten", so Ricke gegenüber der Wirtschaftswoche.
Dabei schwebt dem Manager allerdings kein Pauschalbetrag vor. Je nach Anwendung beziehungsweise der dafür nötigen Infrastruktur sollen die Anbieter unterschiedliche Preise bezahlen. Ein Anbieter von Web-Mail würde demnach weniger zahlen müssen, als ein Anbieter von Video-on-Demand.
"Wenn die Kunden nicht bereit sind zu zahlen und Google & Co. nicht bereit sind zu zahlen – dann kann es keine Autobahnen geben", so Ricke im Interview. Er stellte klar, dass die nötigen Investitionen nur getätigt werden, wenn sich diese auch rechnen.
Vielleicht rechnet sich ein solcher Schritt mittelfristig für den Konzern oder andere ISPs, die ein solches System einführen möchten. Doch langfristig käme man einer Welt immer näher, in der wenige Konzerne bestimmen, was wir sehen dürfen - und was eben nicht.
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