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Telefonnummern-Fälscher unter Beschuss

06.03.2006 | 15:16 Uhr |

US-Behörde ermittelt gegen Dienstanbieter, die Anrufe mit falscher Caller-ID ermöglichen.

Die US-amerikanische Aufsichtsbehörde für Telekommunikation FCC ( Federal Communikations Commission ), vergleichbar mit der deutschen Bundesnetzagentur, leitet Ermittlungen gegen eine Reihe von Anbietern ein. Diese ermöglichen Telefonanrufe mit beliebiger Caller-ID.

Die Caller-ID ist die Telefonnummer, die Ihnen Ihr Telefon als Rufnummer des Anrufenden anzeigt. Mit Hilfe dieser Dienstanbieter können Betrüger beispielsweise vortäuschen, der Anruf käme von Ihrer Bank. Eine andere Variante ist bei der "Nigeria Connection" üblich: die Täter sitzen in einem Internet-Café in Nigeria und täuschen zum Beispiel einen Anruf aus Indonesien, dem Irak oder den Niederlanden vor. Das Vortäuschen falscher Herkunftsangaben wird allgemein als "Spoofing" bezeichnet.

Wer diese Dienste nutzen will, muss sich zunächst anmelden und per Kreditkarte oder Paypal-Konto ein Kontingent an Gesprächsminuten erwerben. Dann füllt er ein Web-Formular aus, in das er seine Telefonnummer, die des Anzurufenden und die vorzutäuschende Caller-ID einträgt. Der Dienstanbieter ruft ihn dann an und stellt die Verbindung zum gewünschten Teilnehmer her.

Die FCC hat nun Auskunftsersuchen an mehrere in den USA angesiedelte Dienstanbieter gestellt, in denen sie eine genaue Auflistung der Namen aller Kunden anfordert, sowie Anzahl und Datum aller Anrufe, die diese über den Dienstanbieter getätigt haben. Die FCC geht damit dem Verdacht nach, dass die Dienste dieser Anbieter gegen das Kommunikationsgesetz der USA verstoßen, weil sie keine korrekte Caller-ID übermitteln. Auch an Telefongesellschaften, die Telefonate über VoIP-Technik anbieten und von den Dienstanbietern genutzt werden, ergingen derartige Auskunftsersuchen.

Mindestens einer der Anbieter hat bereits angekündigt, er werde seinen Dienst möglicherweise einstellen müssen und nimmt keine neuen Kunden mehr an. Anlass für die Untersuchungen der FCC könnte eine kürzliche Anhörung im US-Kongress sein, in der die Abgeordneten über Machenschaften von Kriminellen informiert wurden. Diese hatten mittels Caller-ID-Spoofing versucht vertrauliche Informationen aus Unternehmen zu erhalten. Ein Abgeordneter hatte außerdem eine Flut von Anrufen mit Bandansagen erhalten, bei denen ebenfalls eine falsche Caller-ID benutzt wurde.

Die Spoofing-Dienstanbieter konnten eineinhalb Jahre lang ungestört ihren Geschäften nachgehen. Offenbar ist die US-Politik nunmehr aufgewacht. Ob diese Dienste nunmehr zumindest in den USA verschwinden werden, wird die Zukunft zeigen.

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