254421

Telefónica will O2 übernehmen

Der spanische Telekomkonzern Telefónica will für 26 Milliarden Euro den britischen Mobilfunk-Betreiber O2 übernehmen und damit näher zu Branchenführer Vodafone aufrücken.

Je O2-Aktie werden von Telefónica 200 Pence oder insgesamt 17,7 Milliarden Pfund in bar geboten, teilten die Unternehmen am Montag in Madrid und London mit. Die Marke O2 soll erhalten bleiben. Der O2-Aufsichtsrat rief die Aktionäre bereits auf, das Angebot anzunehmen. Mit der geplanten Übernahme startet Telefónica auch den zweiten Versuch, auf den deutschen Mobilfunkmarkt vorzustoßen. O2 Deutschland hat 8,5 Millionen Kunden.

Zusammen kommen die Unternehmen auf 116 Millionen Mobilfunkkunden in Europa und Südamerika. Telefónica würde zusammen mit O2 die Deutsche Telekom als zweitgrößten Mobilfunkanbieter Europas hinter Marktführer Vodafone ablösen, der 165 Millionen Kunden unter Vertrag hat.

Telefónica verspricht sich von dem Zukauf gleich ab dem ersten Jahr einen Gewinnbeitrag. Von 2008 an werde ein positiver Einfluss von 293 Millionen Euro erwartet, der unter anderem durch den gemeinsamen Einkauf von Infrastruktur und Handys erreicht werden soll.

Das Management von O2 stimmte der Transaktion zu und bot seine eigenen Aktien Telefónica zum Kauf an. Durch den Zusammenschluss kämen zwei schnell wachsende Unternehmen zusammen, die sich geografisch gut ergänzten, sagte O2-Chef Peter Erskine, der das Unternehmen weiterhin führen soll. "Wir können auf dem aufbauen, was wir erreicht haben und müssen uns nicht integrieren und Jobs wegrationalisieren." Eine Fusion sei auch gut für die Verbraucher. Wenn die Regionen der beiden Unternehmen verbunden werden, könnten Kunden von besseren Roaming- und Servicebedingungen profitieren.

Telefónica hatte über seine Beteiligung an Quam bereits einmal versucht, Mobilfunk-Dienstleistungen in Deutschland anzubieten. Im November 2002 zogen sich die Spanier allerdings wegen mangelnder Erfolgsaussicht von Quam zurück und ließen ihre für 7,5 Milliarden Euro ersteigerte UMTS-Lizenz verfallen. 02 Deutschland begrüßte die Übernahme. Das Wachstum des Unternehmens werde sich dadurch beschleunigen, sagte ein Firmensprecher. Ein Stellenabbau sei nicht zu befürchten.

Um O2 rankten sich seit Monaten Übernahmegerüchte. So prüften bereits die Deutsche Telekom und KPN einen Erwerb des Unternehmens, nahmen davon aber wieder Abstand. O2 gilt mit einem Kundenbestand von 24,6 Millionen als zu klein, um auf dem europäischen Mobilfunkmarkt alleine bestehen zu können. Für den Fall einer Offerte eines Konkurrenten für O2 hatte die Telekom nicht ausgeschlossen, ein neues Angebot für O2 vorzulegen. Um diese Möglichkeit zu verbauen, habe Telefónica eine Barzahlung angeboten und keinen Aktientausch, hieß es in Branchenkreisen.

Das britische Unternehmen, das aus einer Abspaltung von der BT Group (früher British Telecom) entstand, ist neben Großbritannien in Deutschland und Irland aktiv. Telefónica übernahm in diesem Jahr bereits die tschechische Cesky Telecom und eine Reihe lateinamerikanischer Mobilfunkfirmen.

Die Übernahmeofferte von Telefónica für O2 kam überraschend. Anfang September hatte Konzernchef César Alierta noch gesagt, dass O2 nicht in das Profil seines Unternehmens passe. Stattdessen wolle der Konzern weiter in Südamerika zukaufen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
254421