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Telefonica macht Übernahmeangebot für o2

04.04.2006 | 16:25 Uhr |

Der spanische Telekommunikationskonzern Telefonica hat - nach sich lange Zeit hartnäckig haltenden Gerüchten - nun ein Übernahmeangebot für den englischen Mobilfunkbetreiber mmo2 vorgelegt. Die Spanier bieten rund 17,7 Milliarden Pfund bzw. 26 Milliarden Euro, das entspricht rund 200 Pence je Aktie oder einem Aufpreis von 22 Prozent zum gegenwärtigen Börsenkurs. Nach Bekanntgabe des Angebotes stieg die O2-Aktie um rund 25 Prozent auf 205 Pence je Anteil. Von O2 kam kurze Zeit später die Empfehlung für seine Aktionäre das Angebot anzunehmen, da es sich um ein faires und angemessenes Angebot handle. Telefonica plane die Marke O2 weiter zu erhalten und auch den Unternehmenssitz in England zu belassen. Als weiteres sollen die beiden O2-Direktoren Sir David Arculus und Peter Erskine Mitglieder im Board of Directors bei den Spaniern werden.



Für Telefonica wäre die Übernahme vor allem der Zugang zu den beiden wichtigsten Mobilfunkmärkten Europas: Deutschland und Großbritannien. Telefonica ist mit seinen 145 Millionen Kunden neben seinem Heimatmarkt vor allem in den südamerikanischen Ländern vertreten. Über die Hälfte des Umsatzes werden in Ländern wie Mexiko, Ecuador, Chile, Brasilien und Argentinien erwirtschaftet. So kann Telefonica Aktivitäten in Europa nur in Tschechien und als Internetprovider in Deutschland vorweisen. Mit der Akquisition von O2 würde der Konzern auf einen Schlag 24,6 Mio. Mobilfunkkunden in Großbritannien, Irland und Deutschland erwerben, die von rund 15.000 Mitarbeitern betreut werden.

Der Kauf soll laut Insidern über Kredite finanziert werden, da Telefonica nur über Bargeldreserven in Höhe von 2,6 Mrd. Euro verfügt. Dies dürfte jedoch weniger Probleme bereiten, da Telefonica vor dem Deal einen Börsenwert von 67 Mrd. Euro hat.

Die Übernahme zeichnete sich bereits seit längerer Zeit ab, da sowohl der niederländische Mobilfunkanbieter KPN, als auch der größte Telekommunikationskonzern Europas, die Telekom , Übernahmegespräche geführt haben. Die britischen Netzbetreiber sind in Europa einfach zu klein, um sich gegen die großen europäischen Ex-Monopolisten durchzusetzen.

Seit dem Abbau der Schulden für die UMTS-Lizenzen können die großen Netzbetreiber in den gesättigten Märkten wieder durch andere Arten wachsen. Das externe Wachstum hat bereits im Sommer dieses Jahres mit der Übernahme der spanischen Amena durch France Telekom begonnen und T-Mobile übernahm den österreichischen Netzbetreiber telering. Auch Telefonica selbst hatte bereits im Juni die tschechische Czesky Telecom aufgekauft.

Telefonica hatte in der vergangenen Zeit Probleme und verlor auf seinem Heimatmarkt immer weiter an Boden, da dem Konkurrenten Vodafone mit seiner globalen Marktmacht bessere Einkaufkonditionen zur Verfügung stehen. Nachdem die Spanier vergeblich versuchten, die niederländische KPN zu übernehmen, ist O2 nun doch ein gewaltiger Schritt um mit den "Großen" Europas auf eine Stufe zu kommen. Laut Telefonica bringe die Übernahme bis 2008 Einsparungen durch gemeinsame Synergien von 239 Millionen Euro jährlich. Die Politik des derzeitigen Aktienrückkaufprogramms und die Dividenden-Politik sollen fortgesetzt werden.

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