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Telearbeit: Für und wider

26.06.2006 | 15:48 Uhr |

Von zu Hause aus arbeiten – davon träumen viele Arbeitnehmer. Dank Internet lässt sich dieser Traum technisch meist problemlos in die Realität umsetzen. Mit Vorteilen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Doch oft schrecken die Unternehmen vor den vermeintlichen Problemen zurück.

Telearbeit und mobiles Arbeiten sind Kinder des Internets. Mit Vorteilen für beiden Seiten. Doch es gibt auch Vorbehalte dagegen.

Das Unternehmen kann die Zahl der Büroarbeitsplätze reduzieren und damit vor allem an der Büro-Miete sparen, wenn seine Mitarbeiter von zu Hause aus ihrer Arbeit nachgehen. Den Arbeitnehmern bleibt wiederum der morgendliche Weg zum Arbeitsplatz erspart. Sie stehen nicht gestresst im Stau und gewinnen dadurch an Freizeit.

An einen Profiteur denkt man in diesem Zusammenhang oft gar nicht: An die Umwelt. Wenn sich nämlich jeden Tag weniger Arbeitnehmer mit dem Auto zur Arbeitsstätte quälen, reduzieren sich dadurch die Schadstoff- und Kohlendioxid-Emissionen. Und weniger Verkehrstote dürfte es dadurch auch geben.

Ganz zu schweigen von den Vorteilen der Telearbeit für Mütter. Sie können ihre Kinder im Auge behalten und bleiben trotzdem berufstätig.

Doch Unternehmen zögern oft damit, Telearbeitsplätze einzurichten. Anscheinend schrecken sie vor den technischen Hürden zurück, die mit einem Telearbeitsplatz verbunden sein könnten, wie die Financial Times Deutschland berichtet. Zudem scheinen einige Unternehmen an der Zuverlässigkeit der technischen Infrastruktur der Telearbeitsplätze zu zweifeln. Und dann ist da noch das Thema der Datensicherheit.

Denn der Verlust kritischer Unternehmensdaten durch nachlässige Mitarbeiter gehört geradezu zu den Klassikern aus der Kategorie Datenverlust. Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn der Angestellte wichtige Unternehmensdaten auf seinem Rechner zu Hause speichert und dieser dann geklaut wird ( besonders Notebooks sind für dieses Problem anfällig ).

Zudem stellt jeder private PC, der sich ins Firmennetzwerk einwählt, ein Sicherheitsrisiko dar (das musste kürzlich sogar das Sicherheitsunternehmen Trend Micro am erfahren ). Deshalb erscheint es Sicherheitsexperten sinnvoll, wenn die Mitarbeiter zu Hause nur mit PCs arbeiten, die von der Firma gestellt werden. Diese sollten dann zentral von der Firmenzentrale aus verwaltet und regelmäßig mit Patches und Sicherheits-Updates versehen werden.

Der Hauptgrund, weshalb Unternehmen davor zurück schrecken, Telearbeitsplätze einzurichten, scheint aber nicht technischer Natur zu sein. Sondern ist wohl im Misstrauen des Vorgesetzten gegenüber seinen Mitarbeitern zu suchen. Denn so mancher Chef ist ein Kontrollfreak, der seine Angestellten bei der Arbeit sehen will. Stechuhrmentalität also statt Telearbeitsplatz. Hier ist Umdenken gefordert: Unternehmen sollten Mitarbeiter am Ergebnis von deren Arbeit und nicht an den Anwesenheitszeiten in der Firma messen.

Für Mitarbeiter, die nur noch via Telearbeitsplatz mit dem Unternehmen verbunden sind, gibt es aber erfahrungsgemäß auch einen Nachteil: Sie verlieren leichter den Zugang zum Flurfunk und bekommen schleichende Veränderungen im Unternehmen nicht oder nur verspätet mit.

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