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Techniker-Mangel in Indien

17.10.2006 | 11:48 Uhr |

Indien gilt als Land der Programmierer. Doch auf dem Subkontinent werden die IT-Experten knapp. Viele Hochschul-Absolventen sind zudem nicht ausreichend qualifiziert.

Die große Nachfrage nach IT-Entwicklern hat in einigen Regionen Indiens einen regelrechten Boom ausgelöst. Immer mehr europäische und amerikanische Unternehmen lassen in Indien ihre Software von relativ niedrig bezahlten und doch hervorragend qualifizierten Tüftlern programmieren und warten. Doch so langsam gehen Indien die IT-Experten aus, wie die New York Times berichtet.

An der Zahl der Nachwuchs-Techniker liegt es zunächst aber nicht: Indien bildet jedes Jahr fast 400.000 Ingenieure aus. Doch eine jüngst durchgeführte Studie kritisiert zunehmend die Qualifikation der Hochschulabsolventen.

So würden nur 25 Prozent der Ingenieure ausreichend ausgebildet sein. Bei den übrigen 75 Prozent gäbe es dagegen Defizite bei den technischen Fähigkeiten, ihre Englischkenntnisse seien unzureichend oder sie seien nicht teamfähig. Vielen IT-Experten seien zudem nicht in der Lage, einen passablen mündlichen Vortrag abzuliefern.

Die Software-Unternehmen, die händeringend nach qualifizierten Mitarbeitern suchen, helfen deshalb den Universitäten Indiens bei der Ausbildung von neuen IT-Fachleuten. Sie bieten zusätzliche begleitende Kurse an, deren Lern-Inhalte genau auf die Bedürfnisse der Firmen zugeschnitten sind. Die Software-Schmieden statten zudem die Universitäten mit neuen Labors und Bibliotheken aus. Daneben entstehen immer mehr private Hochschulen, die ebenfalls IT-Fachleute ausbilden. Vor allem aber konkurrieren die Unternehmen um die besten Köpfe unter dem Nachwuchs. Schon lange bevor diese ihren Abschluss machen, versuchen Firmen die heranwachsenden Techniker an sich zu binden.

Gut ausgebildete Ingenieure können sich auf steigende Gehälter freuen. Denn der heftige Wettbewerb um die wenigen Top-Entwickler lässt die Einstiegsgehälter steigen. Um 10 bis 15 Prozent stiegen diese in den letzten Jahren. Nachdem die Prognosen dahin gehen, dass bis zum Jahr 2010 bis zu 500.000 Experten in Indien fehlen könnten, dürften die Gehälter noch weiter stark steigen. Aber nur für gute Leute wohlgemerkt.

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