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Fingerprint hält im Busch Einzug

31.10.2009 | 13:45 Uhr |

Mit dem Erfolg der Mobiltelefonie hat das digitale Zeitalter auch in der dritten Welt und den sogenannten Schwellenländern begonnen.

Wie einfache technische Lösungen Menschen im täglichen Überlebenskampf unter die Arme greifen können, zeigte Software-Hersteller SAP mit der Präsentation eines südafrikanischen E-Health-Forschungsprojekts auf der am Donnerstag zu Ende gegangenen TechEd in Wien. Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden drei Kliniken in der überwiegend ländlich geprägten Region Bushbuckridge nahe des Krüger Nationalparks mit elementarer Computer- und Servertechnologie, mobiler GPRS-Verbindung und einem Fingerprint-Scanner ausgerüstet. Innerhalb weniger Wochen gelang es so, elektronische Krankenakten anzufertigen bzw. die Abwicklung der Medikamentenausgabe und -beschaffung zu systematisieren. Auch die Wartezeiten der Patienten konnte stark reduziert werden.

"Ohne Computer-Infrastruktur waren wir auf das Anlegen von Papierakten angewiesen. Patienten bekamen einen kleinen Coupon ausgehändigt, der ihrem Krankenakt zugeordnet war. Wurde der kleine Papierabschnitt verloren, konnten die bisherigen Aufzeichnungen oftmals nicht mehr gefunden werden", erklärt Mercy Sibiya, leitende Krankenschwester der Agincourt Clinic Mpumalange, im pressetext-Interview. Nach anfänglicher Skepsis sei das neue System und die technologischen Hilfsmittel vom Personal und den Patienten begeistert angenommen worden.

Eine Einschulung in elementare Computerkenntnisse wurde von SAP und dem lokalen Partner vor Ort, dem Softwareunternehmen iNathi , organisiert. "Unser Engagement bei derartigen Projekten sehen wir als Langzeitinvestition in einen Markt mit großem Potenzial und als wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung", meint Danie Smit, Leiter des SAP-Forschungprojekts, im Gespräch mit pressetext. Als Software-Entwickler könne man zudem von der direkten Involvierung der Endanwender lernen und den besonderen Anforderungen hinsichtlich mobiler Dateninfrastruktur und Energieproblemen viel lernen, so Smit.

Dass das Mobiltelefon bzw. die Mobilfunk-Infrastruktur für entlegene Regionen in Afrika und Asien den Schlüssel zur modernen IKT-Nutzung bedeutet, glaubt auch Orestis Terzidis, Leiter von SAP Research Karlsruhe. "Unter anderem arbeiten wir an einem einfachen System, mit dem kleine Gemischtwarenhändler im afrikanischen Busch ihre Waren mittels Mobiltelefon bestellen können. Bisher ist es so, dass diese ihr Geschäft für einen Tag schließen müssen, wenn sie in die nächste große Stadt zum Einkaufen fahren", sagt Terzidis gegenüber pressetext. Die GPS-Fähigkeit von Mobiltelefonen, die zunehmend auch in billigeren Geräten Verbreitung findet, löst ein weiteres Problem in Gegenden ohne Infrastruktur. "Aufgrund fehlender Straßen und Markierungen weiß ein potenzieller Lieferant gar nicht, wohin er die Waren liefern kann. Durch die über das Handy verfügbaren Geo-Daten kann der Anrufer nun auch in entlegensten Gegenden geortet werden. Die Ware kann folglich nach telefonischer Bestellung zugestellt werden, ohne dass der Ladeninhaber sein Geschäft verlassen muss", erklärt Terzidis. (pte)

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