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Industrielobby gegen Netzverschmutzer

29.09.2008 | 14:46 Uhr |

Die Unterhaltungsindustrie versucht einmal mehr mit einer groß angelegten Kampagne, Tauschbörsen-Nutzern illegales Filesharing auszureden.

Unter dem Lobbyverband namens Arts + Labs versammeln sich große Namen der Computer-, Unterhaltungs- und Telekommunikationsindustrie, unter anderem Viacom , NBC Universal , die Songwriters Guild of America , Microsoft , AT&T und Cisco Systems . Einige der Mitglieder sind bereits gerichtlich gegen die Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Inhalten auf Tauschbörsen vorgegangen.

Zu seinen Zielen erklärt der Verband recht blumig, der Netzverschmutzung den Kampf anzusagen. So hält er es zum Beispiel für notwendig, Verbraucher über „Spam, Malware und Computerviren“ aufzuklären. Hauptsächlich geht es auf der Website der Gruppe aber um den Schutz von geistigem Eigentum. So sieht es die Gruppe als ihre Aufgabe an, Anwender auf Webseiten zu leiten, auf denen Inhalte rechtmäßig gekauft oder konsumiert werden können. Arts + Labs nennt dazu auf seiner Webseite eine Reihe von legalen Downloadseiten genannt, darunter Netflix , Veoh , Movielink , Joost und Microsoft Xbox Live.

„Arts + Labs ist der festen Überzeugung, dass die meisten Verbraucher Künstler für ihre Arbeit angemessen bezahlen und lieber erschwingliche, sichere und rechtlich unbedenkliche Inhalte kaufen wollen, statt die zu unterstützen, die sich illegal an der harten Arbeit und Kreativität anderer bereichern“, heißt es in der Meldung zur Gründung der Gruppe.

Die Bürgerrechtsorganisation Public Knowledge aus Washington glaubt, dass es dem finanzstarken Lobbyverband in Wirklichkeit darum geht, Netzbetreiber und Internet-Provider zur Überwachung des privaten Internet-Traffics zu bringen.

„Den Einfluss von AT&T und der Unterhaltungsindustrie zu bündeln, bedeutet nichts anderes, als dass beide mit allen Mitteln darum kämpfen werden, jedes Datenbit zu filtern, das über das Internet versendet wird“, erklärte Public Knowledge.

Schon in der der Vergangenheit hatte die Unterhaltungsindustrie große Anstrengungen unternommen wurde, die illegale Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Inhalten durch Gerichtsverfahren gegen einzelne Filesharer und die Schließung von Tauschbörsen einzudämmen. Nichtsdestotrotz erfreuen sich Seiten wie The Pirate Bay nach wie vor großer Beliebtheit. Deshalb übt die Unterhaltungsindustrie großen Druck auf Internet-Service-Provider aus, ihre Netzwerke zu überwachen und Filesharing-Nutzer mit hohem Tauschvolumen auszusperren.

Arts + Labs verlässt sich auf namhafte, politikerfahrene Lobbyisten. Der Gruppe stehen unter anderem Mike McCurry, der frühere Sprecher von Bill Clinton, und Mark McKinnon vor, der Berater des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain war. Erst Anfang des Monats hatte McCurry den Vorsitz der Lobbyvereinigung „ Hands of the Internet “ abgetreten, die gegen eine gesetzliche Verpflichtung zur Netzneutralität agiert.

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