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Internes Facebook-Dokument soll Brustwarzen verbieten

22.02.2012 | 12:01 Uhr |

Im Internet ist ein Leitfaden für Facebook-Mitarbeiter aufgetaucht, der ein prüdes Bild vom Netzwerk zeichnet. Selbst Bilder stillender Mütter seien unerwünscht.

Auf nicht näher geklärte Weise ist Gawker.com an interne Facebook-Dokumente gekommen, die Einblick in die rigide Löschpolitik des sozialen Netzwerkes geben. Welche Bilder sind dem US-Konzern zu anstößig? Was ist erlaubt? Ein 13-seitiges Dokument der Outsourcing-Firma oDesk soll Facebook-Mitarbeitern auf Content-Patrouille die Antwort geben. Der Leitfaden zeichnet ein prüdes Bild von Facebook.

Verboten sei beispielsweise die Darstellung von weiblichen Brustwarzen, selbst wenn sie verpixelt sind oder ein schwarzer Balken darüber liegt. Nicht einmal Fotos von stillenden Müttern will das Dokument zulassen, wenn man dabei eine Brustwarze sieht. Nackheit – auch in Comics – sei nicht gestattet. Aber in der Kunst macht der Leitfaden eine Ausnahme.

Das Dokument verbietet weiter die Darstellung von harten Drogen. Marihuana sei okay – solange der Poster es offensichtlich nicht verkauft, kauft oder anpflanzt. Ferner sollen die Facebook-Mitarbeiter auf „Hass-Content“ achten. Darunter fallen nicht nur rechtsradikale Kommentare, sondern auch Fotos von Betrunkenen, deren Gesichter angemalt wurden. Anstößig findet oDesk auch Fotos von inneren Organen, von Knochen oder Muskeln. Wer Sprüche wie „I love hearing skulls crack“ („Ich höre gerne das Geräusch von brechenden Schädeln“) auf seiner Pinnwand postet, dürfe ebenfalls mit dem Besuch eines Facebook-Zensors rechnen.

Doch das Dokument unterscheidet genau. „Hass-Content“ müssen sich beispielsweise Personen des öffentlichen Lebens häufiger gefallen lassen als der Otto-Normal-Bürger oder ein Polizist. Aufrufe zur Gewaltanwendung gegen Einzelpersonen will das Dokument aber in jedem Fall unterbinden. Die Darstellung von brennenden Fahnen sei generell okay – nicht jedoch bei der türkischen Fahne. Karten von Kurdistan will das Dokument ebenfalls nicht auf Facebook sehen. Außerdem solle man harsch gegen Veralberungen vom Gründer der Republik Türkei Atatürk vorgehen. Das gleiche gelte für Holocaust-Leugner.

Spam solle, heißt es weiter im Dokument, ignoriert werden. Es sei denn, der Spam verstoße gegen einen der anderen aufgeführten Punkte. Selbst Porno-Links seien in Ordnung, solange die URL nicht sexuell beschreibend sei.

Wie Gawker berichtet, soll laut der aktuellen Version 6.2 des Leitfadens nun auch die Darstellung von Körperflüssigkeiten – mit Ausnahme von Sperma – erlaubt sein. Dabei sollen aber niemals Menschen zu sehen sein. Bildcollagen von Menschen seien nun erstmals in Ordnung – aber nur, wenn der Dargestellte nicht in einem negativen Licht abgebildet werde.

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