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Google holt sich TiVo-Daten

29.11.2009 | 15:25 Uhr |

TiVo, Hersteller der in den USA am weitesten verbreiteten Festplatten-Set-Top-Box, hat eine Kooperation mit dem Internetkonzern Google bekannt gegeben. Ziel der eingegangen Partnerschaft ist es eigenen Angaben zufolge, die Messbarkeit von TV-Werbung zu verbessern.

Durch die genaue Analyse der Nutzungsdaten des digitalen Videorekorders (DVR) soll es künftig möglich sein, sekundengenau nachzuvollziehen, ob und wann das Fernsehpublikum Werbespots sieht, die von TiVo auf der Google-Plattform TV Ads eingeblendet werden. "Die getroffene Vereinbarung sieht vor, dass Google TiVo-Zuseherdaten in seine via Google TV Ads durchgeführte Messung des Publikums von Werbeeinschaltungen lizenziert und integriert", heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung. Genauere Details des Abkommens würden aber nicht offengelegt. Man sei überzeugt, dass sich durch diese Vorgehensweise eine "substanzielle Verbesserung der Messung und Zurechenbarkeit" der Wirkung von Werbeclips, die über Google TV Ads eingeblendet werden, erzielen lasse.

"Google TV Ads konzentriert sich darauf, den Werbetreibenden die Möglichkeit zu geben, ihre Einschaltungen besser messbar und steuerbar zu machen", erklärt Mike Steib, Director of Emerging Platforms bei Google. Mithilfe der eingegangenen Kooperation hätten diese nun Zugriff auf ein ungemein umfassendes Datenset von anonymisierten Zuseherdaten. "Die Werbetreibenden können diese Daten verwenden, um besser zu verstehen, welche Zielgruppen und Spots die größte Werbeeffizienz aufweisen, was unserer Ansicht nach letztendlich wiederum zu relevanteren Anzeigen für die TV-Nutzer führt", erläutert Steib.

Die Zusammenarbeit von TiVo und Google soll aber nicht nur qualitative, sondern auch finanzielle Vorteile für die TV-Werbebranche mit sich bringen. Diese könnte sich den beiden Unternehmen zufolge bald das Engagieren von Marktforschungsinstituten ersparen, die bislang lediglich auf kostenintensive Untersuchungen wie etwa Umfragen, Panels oder andere Stichproben zurückgreifen könnten, um einen halbwegs aussagekräftigen Einblick in die Wirksamkeit von TV-Werbung zu bekommen.

"Was Datenmaterial zum Zuschauerverhalten im Fernsehen betrifft, gibt es auch heute bereits sehr zuverlässige Analysemethoden, deren Ergebnisse von Agenturen und Werbetreibenden ausgiebig genutzt werden", stellt Volker Nickel, Sprecher des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft ( ZAW ), gegenüber pressetext fest. Dass diese Forschung Geld kostet, sei klar. "Aber auch Google hat sicher nichts zu verschenken", gibt Nickel zu bedenken.

Dass Google inzwischen nach dem Online- auch im Offline-Werbesektor Fuß zu fassen versucht, sei dabei auch Ausdruck eines generellen Zusammenwachsens der einzelnen Medienfelder. "Wir werden in Zukunft nicht mehr von TV-, Handy- oder Online-Werbung sprechen, sondern nur mehr von Bildschirmwerbung", ist Nickel überzeugt. (pte)

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