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T-Systems – Ein Mauerblümchen?

07.03.2007 | 11:19 Uhr |

Die Deutsche Telekom sucht einen Partner für ihre Servicetochter, um im Ausland Marktanteile zu gewinnen.

Beim Umbau des Telekom-Konzerns kennt Konzern-Chef René Obermann keine Tabus. Anlässlich der Präsentation der durchwachsenen Jahreszahlen der Deutschen Telekom stellte er die IT-Dienstleistungstochter T-Systems in ihrem gegenwärtigen Zustand grundsätzlich in Frage. Man strebe die weltweite Marktführerschaft im Geschäft mit integrierten IT- und TK-Leistungen für Großunternehmen an. Dazu prüfe die Telekom die Option, T-Systems in eine strategische Partnerschaft mit einem globalen Player einzubringen. T-Systems müsse international besser aufgestellt sein. Gemeinsam mit einem Partner könnten Skaleneffekte genutzt und bessere Angebote unterbreitet werden.

Spekulationen über einen möglichen Verkauf und eine Zerschlagung der IT-Dienstleistungstochter traten Obermann und T-Systems-Chef Lothar Pauly schnell entgegen. Die Servicesparte zähle weiterhin zu den strategischen Säulen des Telekom-Konzerns, betonten sie. "Zwei Optionen scheiden aus", klärt ein T-Systems-Sprecher auf. "Der Verkauf von T-Systems und der Einstieg eines reinen Finanzinvestors." Man benötige kein Geld, sondern wolle T-Systems schneller wachsen sehen. Dem widerspricht jedoch Karsten Leclerque, Senior Consultant bei den Marktforschern von Pierre Audoin Consultants (PAC): "Es meiner Sicht sind sämtliche Optionen, also Verkauf, Joint Venture und Minderheitsbeteiligung, aber genauso gut auch eine Akquisition, offen. Ganz oben auf der Agenda stehen die Hausaufgaben im Heimatmarkt."

Das Dilemma von T-Systems lässt sich einfach zusammenfassen: im Inland zu hohe Kosten, im Ausland zu wenige Möglichkeiten. "Das Management hat erkannt, dass T-Systems international nicht wettbewerbsfähig ist ", bestätigt Leclerque "Außerdem verfügt T-Systems im Vergleich zu den Wettbewerbern über weniger Off- und Nearshore-Ressourcen." Den Trend zur Auslagerung von Standarddiensten in Niedriglohnländer hat T-Systems verpasst. Während Wettbewerber wie IBM und Accenture in Indien ihre weltweit größten Servicezentralen errichtet haben, begnügt sich Deutschlands größter IT-Dienstleister noch mit Absichtserklärungen.

Das Versäumnis schlägt sich mittlerweile auf die Bilanz nieder. Wie in den vergangenen Jahren schrumpfte der Umsatz 2006 erneut. Auch die Gedas-Akquisition konnte den Trend nicht stoppen. Das Unternehmen begründete die Schwierigkeiten im Inlandsgeschäft einmal mehr mit einer Verschärfung des Wettbewerbs sowie einem anhaltenden Preisverfall im klassischen TK-Geschäft. Die Abhängigkeit vom TK-Geschäft und die damit verbundenen Gefahren für die Unternehmensentwicklung sind T-Systems seit langem bekannt, bislang hat das Unternehmen es nicht geschafft, wirksam entgegen zu steuern.

So sackten etwa die Einnahmen des Geschäftsbereichs Business Services, der mittelständische Kunden überwiegend mit TK-Leistungen versorgt, um drei Prozent, "wobei dies mit einem Rückgang von neun Prozent vor allem dem TK-Geschäft zuzurechnen ist", so PAC in einer Analyse. Zeitgleich legten die IT-Umsätze in diesem Segment um 54 Prozent, doch dieser Zweig ist noch zu schwach ausgeprägt, um die an andere Stelle wegbrechenden Umsätze zu kompensieren.

Das Geschäft mit den Großkunden (Enterprise Services) schrumpfte ebenfalls, und zwar um ein Prozent. Zugute kam dieser Geschäftseinheit die Gedas-Übernahme, die für ein Plus im System-Integrationsgeschäft vom elf Prozent sorgte, so PAC. Schwierigkeiten hatte T-Systems dagegen im Outsourcing- (minus 2,8 Prozent) und TK-Markt (minus 6,6 Prozent).

Insgesamt nahm T-Systems im Jahr 12,6 Milliarden Euro ein. 3,5 Milliarden Euro entfielen auf Geschäfte mit dem Mutterkonzern oder mit Schwestergesellschaften. 9,1 Milliarde Euro Umsatz erzielte der IT-Dienstleister im non-kaptiven Geschäft, also mit externen Kunden. Letzteres Geschäft stagnierte gegenüber Vorjahr, dagegen ging das kaptive Geschäft mit der Telekom und sechs Prozent zurück.

"Was könnte die T-Systems einem Partner bieten?" fragt Katharina Grimme, Direktorin bei Ovum Deutschland, mit Blick auf ein mögliches Joint Venture. "Die aktuellen Probleme bergen ein Risiko für jeden potenziellen Partner." Die globalen Delivery-Kapazitäten, also die Zahl der Service-Mitarbeiter in Niedriglohnländern, schätzt Grimme auf weniger als zehn Prozent. Wettbewerber können laut Ovum-Zählung auf eine Quote von etwa zwölf bis 14 Prozent verweisen. "Als ehemaliges staatliches Unternehmen und mit einem starken Betriebsrat, das zudem intensiv von der Presse beobachtet wird, hat das Management immer Argumentationsprobleme, wenn es im Inland Mitarbeiter entlässt, und gleichzeitig die Belegschaft im Ausland ausbauen will", schildert Grimme die Probleme von Telekom und T-Systems.

Das Pfund, mit dem T-Systems wuchert, ist das angeblich einzigartige Angebot an kombinierten TK- und IT-Services. Als Referenzprojekt wird immer wieder die Toll-Collect-Installation ins Feld geführt. Bislang gelang es jedoch nicht, ausländische Käufer für die Lösung zu finden.

Ob das selbst gesteckte Ziel der weltweiten ICT-Marktführerschaft die Partnersuche fördern wird, ist ungewiss, zumal selbst Analysten Schwierigkeiten haben, das Angebot einzuordnen. "T-Systems versucht damit, ein Differenzierungsmerkmal zu schaffen", schildert Grimme. "Das ist schwierig, da das ICT-Angebot noch eher vage und sehr breit aufgestellt ist. Es ist zurzeit eher eine Vision als ein klar definiertes Serviceangebot."

Andere große IT-Dienstleister haben den entgegengesetzten Weg eingeschlagen. IBM stieß ihr Netzgeschäft schon vor Jahren ab, um sich auf IT-Services zu konzentrieren. Capgemini folgte erst vor wenigen Wochen. Der französische Anbieter hat den Netzbetrieb ausgelagert. Die Servicetöchter der großen nationaler Carrier British Telecom und France Télécom, BT Global Service und Orange Business Service (OBS), konzentrieren sich dagegen auf TK-Services und lassen die Finger vom IT-Servicemarkt. Auch die Vorliebe großer internationaler Kunden für das selektive Outsourcing steht dem integrierten Serviceangebot der T-Systems entgegen, das dürfte auch potenziellen internationalen Partnern zu denken geben. Zudem unterhält die Telekom im Ausland keine eigenen TK-Netze, müsste bei der Umsetzung integrierter TK- und IT-Dienste also Netzkapazitäten zukaufen. "Die Partnersuche dürfte nicht einfach werden", orakelt Grimme. (jha)

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