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T-Online-Wurm: Die Jagd ist eröffnet

20.02.2001 | 12:40 Uhr |

Ratlosigkeit bei T-Online, Spott, Häme und Sympathien bei vielen Lesern und eine gewisse Verwirrung bei den Juristen - das waren die Folgen des T-Online-Wurms. Nun scheint sich das Netz um den Wurm-Erzeuger enger zu ziehen. Doch gegen welchen Paragraphen hat er eigentlich verstoßen?

Ratlosigkeit bei T-Online, Spott, Häme und Sympathien bei vielen Lesern und eine gewisse Verwirrung bei den Juristen - das waren die Folgen des T-Online-Wurms. Nun scheint sich das Netz um den Wurm-Erzeuger enger zu ziehen. Doch gegen welchen Paragraphen hat er eigentlich verstoßen?

PC-WELT hat bei Virusaid nach dem neuesten Kenntnisstand gefragt. Das Unternehmen ist der Betreiber der gehackten Website virus.at, von der aus die "Protest"-Mails gegen die Einstellung der Flatrate verschickt wurden. Tatsächlich gibt es bereits Erkenntnisse, woher der Eindringling bzw. Versender des Virus kommt. Einen Namen wollte oder konnte man gegenüber PC-WELT allerdings noch nicht nennen.

Da der Übeltäter eine Datei auf den gehackten Server stellte und der Provider von virus.at alles mitprotokollierte, konnten die IP (siehe Glossar) und der Provider des Übeltäters entdeckt werden. Diese Informationen wurden von Virusaid an T-Online per Mail übermittelt. Der Identität des Wurm-Programmierers ist damit jedoch noch nicht beizukommen, denn der Hack soll von einem deutschen Internet-Cafe aus erfolgt sein.

Virusaid wird keine juristischen Schritte einleiten, da kein Schaden entstanden sei und es keine Schadensersatzforderungen gegen Virusaid gebe. Bei T-Online teilte man uns auf unsere Anfrage mit, dass man noch mit Nachforschungen beschäftigt sei und deshalb keine Auskunft über weitere Maßnahmen geben könne.

Auf Privatanzeige hin ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Darmstadt. Doch vorerst rauchen noch die Köpfe der Juristen: Auf welcher Rechtsgrundlage kann man gegen den Übeltäter vorgehen? Möglicherweise, weil dem Klagenden ein "Vermögensschaden" entstanden ist, da auf seine Kosten Mails versandt wurden. Oder wegen Datenveränderung, Datenbetrug, oder Computersabotage.

Doch die Voraussetzungen für die meisten Tatbestände sind nicht gegeben, ein Betrug liegt wohl nicht vor, da es sich bei einer Mail nicht um eine Urkunde handelt. Dies bestätigte uns eine Münchner Rechtsexpertin. Eventuell könne eine "fälschliche Beeinflussung einer Datenverarbeitung" vorliegen.

Aus Sicht von T-Online könnte es sich um Nötigung handeln, da im Mail-Text angedroht wurde, dass T-Online erst Ruhe bekäme, wenn die Flatrate wieder eingeführt würde. Nur eines ist somit bisher sicher: Der Wurm betritt juristisches Neuland. (PC-WELT, 20.02.2001, hc)

PC-WELT Virendatenbank

Vorsicht: `T-Online`-Wurm breitet sich rasant aus (PC-WELT Online, 16.02.2001)

Wurm-Code entschlüsselt (PC-WELT Online, 16.02.2001)

Jetzt offiziell: T-Online-Flat stirbt (PC-WELT Online, 15.02.2001)

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