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T-Online-Aktien: Ruhe bewahren

Mit den T-Online-Aktien, die am heutigen Montag auf den Markt kommen, lassen sich keine üppigen Zeichnungsgewinne realisieren. Richtig Geld verdienen wird T-Online nach Einschätzung von Analysten erst in zwei Jahren.

Im Zeichen eines drohenden Kurseinbruchs an den europäischen Börsen sind am Montag die T-Online-Aktien auf den Markt gekommen. Das Papier notierte heute morgen um 10 Uhr bei 28,50 Euro. Trotz der widrigen Umstände kletterte der Kurs bis 11.30 Uhr auf 33,40 Euro.

In weiser Vorahnung auf einen möglichen "schwarzen Montag" hatten Telekom und Konsortialbanken am Samstag die Notbremse gezogen und den Ausgabepreis des T-Online-Papiers nicht - wie ursprünglich geplant - auf 32, sondern auf 27 Euro fest gesetzt. Damit nimmt die Telekom gut eine Milliarde Mark weniger aus dem Börsengang ein, als beim maximal möglichen Ausgabekurs.

Nach Angaben der Deutschen Telekom haben zwei Millionen Privatanleger das Wertpapier erhalten. Die Emission war 20-fach überzeichnet. Wer an der Kundenbefragung von T-Online teilgenommen hatte, bekam 35 Aktien. Für andere Orders der Privatanleger wurde gelost. Dabei erhielt jeder Dritte jeweils 25 Aktien.

Die rund zwei Millionen T-Online-Aktionäre müssen jetzt erst einmal Ruhe bewahren. Analysten hatten schon vor Tagen gewarnt: Mit T-Online lassen sich keine üppigen Zeichnungsgewinne realisieren. Kein Vergleich zur Siemens-Tochter Infineon, deren Ausgabekurs sich bei der Erstnotierung Anfang März gleich verdoppelt hatte. Die T-Online-Aktie ist nach Einschätzung von Analysten ein langfristiges Papier, das sich nicht zum Zocken eignet. Richtig Geld verdienen werde T-Online erst in zwei Jahren.

Der Chefanalyst des Bankhauses Trinkhaus & Burckhardt, Karsten Tripp, rechnet damit, dass die T-Online-Aktie unter ihren Ausgabepreis von 27 Euro fallen wird. Gegenüber dem ZDF-Morgenmagazin sagte er: "Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass wir noch tiefer in die 20er-Region steuern." Der Handel mit der neuen Aktie werde in den nächsten Monaten eher lau verlaufen. (PC-WELT, 17.04.2000, dpa/ sp)

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