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"Surf & Sushi" gegen "Fastfood"

11.12.2000 | 10:26 Uhr |

Der Laden ähnelt einer überdimensionalen Filiale von "Burger King" oder "Dunkin Donuts". Helles Licht scheint auf einfache Holzstühle und zahlreiche parallele Tischreihen. Nicht Hamburger oder Donuts will die Firma "easyEverything" verkaufen, sondern die Verbindung zur großen weiten Welt des Internets.

Der Laden ähnelt einer überdimensionalen Filiale von "Burger King" oder "Dunkin Donuts". Helles Licht scheint auf einfache Holzstühle und zahlreiche parallele Tischreihen. Vorne steht eine Verkaufstheke mit Leuchtreklame. Hunderte Flachbildschirme vor den Sitzplätzen zeigen allerdings: Nicht Hamburger oder Donuts will die Firma "easyEverything" vom 16. Dezember an am Berliner Kurfürstendamm verkaufen, sondern die Verbindung zur großen weiten Welt des Internets.

Das soll allerdings mit einer in Deutschland recht neuen Methode möglich sein. Niedrige Preise, Hunderte von Surf-Plätzen, dafür jedoch eingeschränkter Komfort machen das 1999 gegründete Unternehmen "easyEverything" zum "Fastfood"-Anbieter unter den Betreibern von Internet-Cafes. Bislang 16 Filialen gibt es weltweit. Im jüngst eröffneten New Yorker Cafe können 800 Web-Surfer gleichzeitig ins Netz.

Berlin ist nach München der zweite deutsche "easyEverything"-Standort und soll 350 Computer-Plätze bieten. Die Preise sind abhängig von der aktuellen Belegung der Computer. Für zwei Mark kann man zwischen zwanzig Minuten und einigen Stunden chatten, Mails schreiben oder an weltweiten Internet-Spielen teilnehmen. Und wer einmal in Amsterdam um 01.00 Uhr nachts Hunderte junger Menschen bei "easyEverything" an den Terminals sitzen sah, hat kaum Zweifel an dem Erfolg dieser Strategie.

Auf japanischen Fisch und "trendige" Atmosphäre statt auf Kaffee aus Plastikbechern und niedrige Preise setzen hingegen die beiden jungen Wirtschaftsstudenten Roman Schapiro und Erwin Horn. "Surf & Sushi" heißt ihr gerade eröffnetes Internet-Cafe in der Oranienburger Straße, der momentan wohl angesagtesten Flanier-Meile Berlins. Auch "Surf & Sushi" ist eher in hellen Holztönen gehalten, alles wirkt jedoch ein wenig nobler.

"In erster Linie wollen wir einen Szene-Treffpunkt für junge und erfolgreiche Medien-Menschen bieten", sagt Schapiro. Dazu würden Cocktails gehören und Espresso-Maschinen. Ein "gehobenes Ambiente" eben, wie der Betreiber sagt. Nebenbei sollen die Szene-Gänger dann auch Zugriff auf das Internet haben. 30 Surfplätze gibt es bislang, die auch schon recht gut frequentiert werden.

"easyEverything" sei keine Konkurrenz für sie, meint Schapiro. "Die leben von der Masse, wir von der Qualität. "Nicht zufällig hätte der Großunternehmer seine Filialen in Bahnhofsnähe platziert, um besonders Touristen anzusprechen. Doch auch ein Rundblick am frühen Abend im "Surf & Sushi" zeigt: Hier sitzen an den Tastaturen eher junge Touristen mit Rucksäcken als Werber oder Programmierer in Kostüm oder Anzug. Vielleicht wollen junge Businessleute nach einem Tag am Computer auch einfach keine Bildschirme mehr sehen. (PC-WELT, 11.12.2000, dpa/ pk)

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