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"Superchip" entwickelt

12.04.2001 | 11:53 Uhr |

Amerikanische Ingenieure haben eine Technologie entwickelt, die die Fertigung von "Superchips" ermöglichen soll, die um ein vielfaches schneller als bisherige CPUs sein sollen. Damit wären Aufgabenstellungen, die bisher an mangelnder Rechenleistung scheiterten, nun lösbar.

Das in der Computerwelt so bekannte Moore´sche Gesetz, nach dem sich die Prozessorleistung alle 18 Monate verdoppelt, droht bald seine Gültigkeit zu verlieren, denn 2005 ist die bisherige Technologie ausgereizt. Wissenschaftler sind inzwischen auf der Suche nach neuen technischen Möglichkeiten, um CPUs noch schneller zu machen.

Amerikanische Ingenieure haben nun eine Technologie vorgestellt, mit der die Entwicklung von Computer-Prozessoren einen enormen Schub erhalten könnte. Das neue Verfahren trägt den Namen "Extreme ultraviolet lithography" (EUVL).

Das neue Verfahren, das in Vacuum-Technik durchgeführt werden muss, benutzt unsichtbares ultraviolettes Licht und eine Reihe von Spiegeln, die als Linsen fungieren, um die Chip-Muster auf Wafer zu projezieren. Das unsichtbare ultraviolette Licht hat eine Wellenlänge von 13 Nanometern und macht es möglich ein Transistorelement auf einer Breite von nur 40 Atomen zu platzieren. Projektleiter Bill Replogle erläutert anschaulich: "Je kleiner die Spitze eines Stiftes ist, desto enger kann man schreiben."

Die neue Generation der Computerchips soll 400 Millionen Rechenvorgänge in einer fünfzigstel Sekunde durchführen können. Also ungefähr 30 mal schneller als ein heutiger 1-Gigahertz-Prozessor. Die einzelnen Chip-Bestandteile werden so klein sein, dass sie nur mit einem Elektronenmikroskop erkennbar sind. Das EUVL-Verfahren soll erst im Jahr 2020 an seine Grenzen stoßen, wenn die Atomstruktur des Silikons erreicht wird.

Das Potenzial der neuen Technologie erscheint riesig. Viele Anwendungen, die bisher mangels Rechenleistung nicht durchführbar oder zu zeitaufwendig waren, sollen nun möglich werden. Intel verspricht sich vor allem Fortschritte in der Stimmen- und Gesichtserkennung, Sprachübersetzung, Wettervorhersage, Medizinforschung und Atomwaffen-Simulation.

Die Technologie ist das Ergebnis einer 250-Millionen-Dollar-Kooperation von Intel, AMD, Motorola, Micron, Infineon und drei amerikanischen Forschungsstätten. Jetzt muss die neue Entwicklung nur noch unter realen Herstellungs-Bedingungen bestehen. (PC-WELT, 12.04.2001, lb)

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