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Google testet Mitmach-Suche

12.09.2008 | 12:19 Uhr |

Vergangenes Jahr startete Google einen Test, bei dem Nutzer die Resultate der Internetsuche löschen, bewerten und kommentieren konnten. Ob diese Funktionen Google-Standard werden, bleibt offen.

Der Test wurde nur in einem eingeschränkten Nutzerkreis durchgeführt. Den Test-Teilnehmern wurden neben den Ergebnislinks Buttons zur Verfügung gestellt, mit denen sie das Suchresultat im Ranking nach unten oder oben verschoben konnten. Außerdem ließ sich Link aus der Liste löschen oder mit Kommentaren versehen. Sollten diese Funktionen Google-Standard werden, hätten Nutzer wesentlich mehr Einfluss auf die Bewertung und Klassifizierung der Suchergebnisse als bisher.

„Es war ein wirklich spannender Versuch. Ich kann aber noch nicht sagen, ob die Funktionen für jedermann zur Verfügung stehen werden, da wir immer herumexperimentieren. Nur was sich als wirklich sinnvoll herausstellt, findet tatsächlich den Weg in die Suchmaschine“, erklärte Google-Softwareentwickler Matt Cutts.

Das Unternehmen hatte erstmals vor zwei Wochen in einem Eintrag im offiziellen Google-Blog von dem Experiment berichtet. Offenbar waren den Testern verschiedene Versionen angeboten worden. In einer Testversion konnten sie zum Beispiel nur die Ergebnisse entfernen. In einer anderen ließen sich Kommentare hinzufügen, die aber nur der Nutzer selbst eingesehen konnte. Eine Herausforderung wird sein, die verschiedenen Rückmeldungen der Tester sinnvoll zu kanalisieren und zu einem schlüssigen Ergebnis zu kommen. Die Daten liefern Google jedoch wertvolle Einblicke darüber, wie sich die Qualität der Internetsuche steigern lässt.

Immer wieder bemängeln Kritiker, dass Google den Nutzern zu wenig Freiheiten gewährt. Statt in Zeiten von Web 2.0 auf das Mitmach-Web zu setzen, verlasse sich das Unternehmen zu sehr auf automatisierte Prozesse und mathematische Algorithmen. Cutts lässt dieses Argument nicht gelten. „Oft denken die Leute, Google sei nichts anderes als eine Ansammlung von Computern und Algorithmen, die rund um die Uhr arbeiten. Es sind aber Menschen, die letztlich über den Wert einer Website und damit ihrer Position im Google-PageRank entscheiden, denn alles hängt davon ab, wer wen im Web verlinkt.“

Dennoch glauben viele, dass es dem Unternehmen schaden wird, wenn Nutzer nicht aktiv an der Suche teilnehmen können. Konkurrenten wie Jason Calacanis‘ Malaho , das soziale Netzwerk Delicious von Yahoo und Jimmy Wales‘ Wikia Search setzen beispielsweise darauf, die Anwender mit einzubinden.

Bei Wikia Search kann beispielsweise jeder Nutzer unabhängig von einer Registrierung Suchresultate hinzufügen, löschen und bewerten. Auch den Titel oder die Beschreibung eines Ergebnislinks kann er ändern. Wie bei Wikis üblich, werden Änderungen sofort durchgeführt und müssen nicht erst einen langwierigen Freigabeprozess hinter sich bringen. Man verlässt sich darauf, dass sich die Community selbst reguliert und im Idealfall einen gemeinsamen Wissensschatz sammelt.

Auch wer einen Google-Account besitzt, kann seine Internetsuche bereits personalisieren. Mit „Web History“ kann Google bei angemeldeten Nutzern auf frühere Suchanfragen zurückgreifen und so die Suchergebnisse optimieren. Und mit dem Google-Dienst „Notebook“ können User in ihrem Account Webseiten-Links mit Lesezeichen und Anmerkungen versehen.

Laut Cutts erweitert das Unternehmen schon jetzt seine Suchtechnik, indem nicht nur Text, sondern auch Multimedia-Merkmale in Bildern, Videos und Audiofiles analysiert werden. In der Bildersuche von Google lassen sich die Ergebnisse bereits filtern, so dass nur Bilder von Personen angezeigt werden. Für die Videosuche erstellt Google Abschriften von dem, was in dem Film gesagt wird. „Wir verlassen uns nicht nur auf Metadaten“, erklärt Cutts. „Wir haben bei Google Experten für Sprach-, Objekt- und Videoerkennung. Je mehr wir über Sprache, Filme und Bilder lernen, desto spannender wird die Zukunft der Internetsuche.“

Cutts ist in Suchmaschinen-Kreisen sehr bekannt und sein Blog Pflichtlektüre für jeden Suchspezialisten. Er hält auch den Vorwurf für ungerechtfertigt, dass Google keine semantische Suche verwende, bei der die Bedeutung von Webinhalten analysiert wird, statt nur Links und Schlüsselwörter.

„Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Google nur nach genau den Wörtern sucht, die man eintippt. Wir geben uns schon ein bisschen mehr Mühe und fahnden nach verschiedenen Wortstämmen, also zum Beispiel neben ‚run‘ auch nach ‚running‘ und sogar nach Synonymen wie ‚jogging‘. Wir suchen also durchaus nach semantischen Prinzipien.“

Dass soziale Netzwerke wie Facebook die Erfassung durch Suchmaschinen einschränken und Google damit de facto ausschließen, hält Cutts für unproblematisch. Google begrüße es, dass sich das Internet in den vergangenen zehn Jahren mehr geöffnet hat. „Wenn Betreiber einer Seite nicht möchten, dass wir den Inhalt der Webpage indexieren, hat das für uns höchste Priorität. Allerdings ist den meisten mit der Zeit klar geworden, dass es gar nicht so schlecht ist, in Suchlisten aufgeführt zu werden. Es gibt zwar immer noch abgeschottete Enklaven, aber viele öffnen sich langsam, weil sie die Vorteile sehen, die sich ergeben, wenn man in verschiedenen Suchmaschinen gut steht.“

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