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Studie wirft Apple absichtliches Ausbremsen mittels iOS-Update vor

30.07.2014 | 17:31 Uhr |

Eine US-Studie erhebt schwere Vorwürfe gegen Apple: Der Hersteller soll Geräte per iOS-Update absichtlich verlangsamen, um Kunden den Wechsel auf neuere Hardware zu “erleichtern” und dabei ordentlich Geld zu verdienen. Die Studie selbst ist allerdings wenig aussagekräftig.

Kaum ist das neue iOS-Update installiert, wirkt das alte iPhone träge und langsam – meinen viele User bereits beobachtet zu haben. Das scheint nun eine Studie, die die Wirtschafts-Doktorandin Laura Trucco an der Harvard-Universität durchgeführt hat, zu belegen: Die Wissenschaftlerin fand heraus, dass mit jedem iOS-Release die Google-Suchanfragen nach dem Begriff “iPhone slow” explodieren. Trucco leitet daraus ab, dass die Beobachtung vieler User stimmt. Indirekt wirft Sie Apple damit geplante Obsoleszenz vor.

Im Rahmen ihrer Studie untersuchte Trucco die These, dass Menschen, die mit der Leistung ihres Smartphones unzufrieden sind, bei Google nach einer Lösung suchen. Deshalb untersuchte Sie Daten, die Google zum Suchbegriff “iPhone slow” liefert und fand dabei eine interessante Koinzidenz: Immer, wenn ein neues iOS-System (und damit auch ein neues iPhone) herauskam, nahm die Anzahl der Suchanfragen zu diesem Begriff bei Google massiv zu. Für einen Vergleichswert wertete sie auch die Suchanfragen “Samsung Galaxy slow” aus – hier kam es zu keinem derartigen Ergebnis. Vorhandene iPhone-Hardware, so scheint es, wird regelmäßig langsamer, sobald ein überarbeitetes iOS-System installiert wird.

Wir können die suggerierten Ergebnisse der Studie im Test allerdings nicht bestätigen: In unserem Performance-Check zum iOS 7-Release konnten wir selbst auf den ältesten noch von iOS 7 unterstützten Gerät, dem iPhone 4, nur einen minimalen Performance-Verlust feststellen. Und nicht nur das: Tatsächlich waren manche Anwendungen wie etwa Safari mit dem neuen Betriebssystem auf der alten Hardware sogar schneller geworden. Zudem sperrt Apple grundsätzlich gar zu alte Hardware für neue Updates – das iPhone 3GS ist nicht mehr für iOS 7 geeignet – eine Vorgehensweise, die in der Technologiebranche gang und gäbe ist.

Suchen nach iPhone slow häufen sich nach Veröffentlichung neuer iOS-Versionen. Die Antworten sind aber meist banal. So sollte man nach Installation einer neuen Betriebssystemfassung deren Performance erst dann beurteilen, wenn sich die Caches wieder aufgebaut haben.
Vergrößern Suchen nach iPhone slow häufen sich nach Veröffentlichung neuer iOS-Versionen. Die Antworten sind aber meist banal. So sollte man nach Installation einer neuen Betriebssystemfassung deren Performance erst dann beurteilen, wenn sich die Caches wieder aufgebaut haben.

Trotzdem: Der Vorwurf geplanter Obsoleszenz wiegt natürlich schwer, suggeriert er neben der Geldmacherei auch unnötige Umweltbelastung. Apple nimmt als größter Geheimniskrämer der Technologiebranche zu derartigen Vorwürfen traditionell nicht Stellung, kursierende Verschwörungstheorien werden durch die legendäre Verschwiegenheit des Unternehmens aber verstärkt.

Doch wie kommt es zu den gesteigerten Suchanfragen? Professor Sendhil Mullainathan, Doktorvater von Laura Trucco, schreibt in einem Artikel in der Online-Ausgabe der New York Times , dass die von Trucco erhobenen Daten ausschließlich Korrelationen enthielte, aber keine Schlussfolgerungen zuließen. Stattdessen gäbe es nur zwei Erklärungen: Eine großangelegte Verschwörung durch Apple – oder harmloser technologischer Fortschritt. “Korrelationen motivieren uns allerdings, weiter zu forschen”, so der Professor, nimmt aber gleichzeitig allen Verschwörungstheoretikern den Wind aus den Segeln: “Es gibt zwei einfache Gründe, warum geplante Obsoleszenz nicht den Profit maximiert: Einerseits das juristische Risiko. Andererseits der Wettbewerb und die Vernunft der Verbraucher, die eine solche Strategie vereiteln würden.”

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