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Technische Mängel bedrohen IPTV-Erfolg

26.05.2009 | 13:17 Uhr |

Der Erfolg von IPTV hängt zu einem großen Teil von den technischen Gegebenheiten ab. TV-Dienste alleine können dem internetbasierten Fernsehen nicht zum wirtschaftlichen Durchbruch verhelfen.

Vielmehr ist ein hohes Maß an Qualität in puncto Technik dafür ausschlaggebend, wie profitabel sich IPTV entwickelt. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung des Berliner Strategieberatungsunternehmens Goldmedia , die sich mit der Wirtschaftlichkeit von IPTV-Geschäftsmodellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz auseinandersetzt. Technische Kinderkrankheiten und Probleme bei der Bedienbarkeit können demnach schnell zu einer verstärkten Kundenabwanderung führen und die Erfolgschancen deutlich minimieren.

"Das Nutzerverständnis für Mängel im TV-Bereich ist vergleichsweise gering, da man hier - anders als im Internet - eine sehr hohe Stabilität gewohnt ist", erklärt Mathias Birkel, IPTV-Experte von Goldmedia, gegenüber pressetext. Dass im Internet ein Seitenaufbau etwas länger dauert oder ein Stream eine Weile braucht, bis er startet, das kenne der Nutzer. Im TV seien Ton- und Bildaussetzer aus Nutzersicht jedoch absolut inakzeptabel. "Lange Umschaltzeiten und Bootvorgänge sind Kinderkrankheiten, die es unbedingt zu vermeiden gilt, wenn der Nutzer von der Qualität von IPTV überzeugt werden soll", so Birkel weiter.

Ohne Kundenwachstum und Neukundengewinn bleibe IPTV für große Telekommunikationsanbieter in der Branche nicht mehr als ein Zuschussgeschäft, so ein Schluss der Studie. Nur wenn die Gesamteffekte durch die Kundenbindung und das Kundenwachstum miteingerechnet werden, lohne sich der Geschäftsbereich für die Konzerne. Derzeit werden IPTV-Plattformen vor allem durch große nationale Breitbandanbieter wie die Deutsche Telekom, Telekom Austria oder Swisscom betrieben. Der Aufbau eines eigenständigen Internet-TV-Angebots rechnet sich laut den Untersuchungen von Goldmedia erst ab einem Breitbandkundenstamm von etwa 2,5 Mio.

Für kleinere Unternehmen lohnt sich IPTV laut Goldmedia dann, wenn bestehende Angebote weitervermarktet werden. Dieses Resellingmodell sei schon ab rund 250.000 Breitbandkunden umsetzbar. Allerdings gibt es im deutschsprachigen Raum bis dato kaum Beispiele dafür. "Inwieweit sich IPTV für einzelne Anbieter lohnt, ist immer auch eine Frage des zugrundeliegenden Business Cases. So ist der für IPTV notwendige Netzaufbau sicherlich auch immer eine Investition in die Zukunft", sagt Birkel. Es gebe bereits durchaus Märkte, in denen IPTV das Entwicklungsstadium schon deutlich überschritten habe und als TV-Übertragungsweg etabliert sei. Als Vorreiter gilt Frankreich.

Der Ausblick auf die Zukunft des deutschsprachigen IPTV-Marktes fällt optimistisch aus. "Wir prognostizieren ein deutliches Wachstum für IPTV sowohl für Deutschland als auch in Österreich und der Schweiz. In den nächsten fünf Jahren werden zwischen acht und zehn Prozent der TV-Haushalte ihr TV-Signal über IPTV beziehen", so Birkel auf Nachfrage von pressetext. Dies sei insofern eine beachtliche Größenordnung, als dass die Rahmenbedingungen für IPTV - vor allem durch starke Marktstellung des Kabels - in allen drei Märkten nicht sehr positiv seien. (pte)

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