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Offener Quellcode ist Schlüssel für den Erfolg mobiler Betriebssysteme

Entwickler müssen für Verbraucher ein wundersames Völkchen sein: nach landläufiger Meinung in einem fensterlosen Kämmerchen sitzend, Kaffee trinkend, Hieroglyphen tippend, die Welt allenfalls durch die Blogeinträge von Reallife-Korrespondenten wahrnehmend. Lassen Sie sich gesagt sein: in jedem Programmierer steckt ein Geek, doch die Kommunikationsfähigkeit der quellcodeschreibenden Zunft ist mitnichten so beschränkt, wie oftmals fabuliert. Ganz im Gegenteil.

Wie eine Studie der Wirtschaftsforscher von Evans Data Corp. (EDC) in einer unter Software-Entwicklern durchgeführten Umfrage herausgefunden hat, ist ein offener Quellcode den Entwicklern bei der Entscheidung für ein Betriebssystem äußerst wichtig. Das grundlegende Problem eines jeden Programmierers ist die Auswahl der Plattform, für die er entwickelt.

Zwar kann er seine Software soweit abstrahieren, dass ihr Kern potenziell auf jedem System läuft, die spätere Anpassung erfordert aber neben Fingerspitzengefühl auch weitreichende Kenntnisse über dessen Funktionsweise. Die jüngste Generation von Betriebssystemen kürzt man mit RTOS ab: Real-Time Operating Systems begegnen uns auf jeglicher Art von mobilem Endgerät, vom iPod bis zum Windows-PDA-Phone. Viele Betriebssystem-Hersteller haben mittlerweile Lizenzmodelle entwickelt, mit denen Programmierer für ihre Plattform den Quellcode des Zielsystems einsehen dürfen - allerdings in vielen Fällen nur eingeschränkt, verbunden mit zusätzlichen Kosten und unter strengsten Geheimhaltungsvorschriften.

Überraschend erhielt ein prominentes RTOS vor knapp einem Jahr Rückenwind von seinem Hersteller. Vor einem Jahr gab Microsoft den Quellcode von Windows CE 6.0 unter einer sogenannten "Shared Source"-Lizenz heraus. Auf ihm basieren neben Windows Mobile-Handys auch Navigationslösungen oder branchenabhängig angepasste Eingabegeräte. Entwickler können den Quellcode ohne zusätzliche Kosten einsehen. Seit neuestem klappt das auch völlig ohne administrativen Aufwand: der Programmierer kann die Quellen direkt in seiner Entwicklungsumgebung einsehen, nachdem er einer Lizenzvereinbarung zugestimmt hat. Doch damit ist er für Microsoft nicht mehr anonym - wer die Quellen in nicht erlaubter Weise nutzt, muss mit Vertragsstrafen rechnen.

Wie wichtig ein quelloffenes Betriebssystem für Software-Hersteller ist, belegt die EDC-Studie: von 500 Entwicklern schrieben 40% Software für ein Linux-basiertes RTOS. 20% aller Entwickler entschieden sich für die beiden beliebtesten Betriebssysteme der Studie, die EDC öffentlich nicht mit Namen nennt. Der Grund für die Popularität von Linux: Wer für mobile Endgeräte mit beschränkter Leistungsfähigkeit und unvorhersehbaren Echtzeit-Situationen entwickelt, benötigt Einblick in dessen Funktionsweise. Die Verfügbarkeit von Entwicklerwerkzeugen sei darüber hinaus relevanter als Kosten oder die Leistung der Zielplattform.

Die Position von mobilen Linux-Systemen wird durch die EDC-Studie natürlich dramatisch gestärkt: sie unterliegen in weiten Teilen dem Lizenzmodell GPL, die Programmierer dazu zwingt, ihren Quellcode zu veröffentlichen. Dass mobiles Linux gerade auf Mobiltelefonen dennoch ein Nischendasein fristet, scheint ihr hingegen zu widersprechen - Bemühungen seitens Motorola ( RAZR2 , ROKR Z6 ), Nokia (Internet-Tablet N800 ) oder ACCESS ( ALP ) zeigen aber, dass durchaus Interesse besteht, RTOS-Varianten von Linux als feste Größe auf dem Markt für mobile Betriebssysteme zu etablieren.

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