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Mobile Breitbanddienste beflügeln die Wirtschaft

31.03.2008 | 11:44 Uhr |

Glaubt man einer Studie, werden innerhalb von vier Jahren die Hälfte aller Deutschen mobile Breitbanddienste nutzen. In fünf Jahren sollen außerdem bis zu 90 Prozent aller deutschen Haushalte Breitbandanschlüsse haben.

Laut der Marktforschungs-Ergebnisse von Arthur D. Little und Exane BNP Paribas wird in Deutschland vor allem das mobile Breitband für hohe Umsätze sorgen. Der deutsche Markt für Breitbanddienste hat sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunkbereich ein im europäischen Vergleich überdurchschnittlich hohes Wachstumspotenzial. Die Studie basiert auf 71 Interviews mit Managern führender Unternehmen in zwölf europäischen Ländern.

Die Markforscher erwarten ein Umsatzwachstum im europäischen Telekommunikationsmarkt von durchschnittlich jährlich 3,8 Prozent bis 2012. Der Studie zufolge ist Deutschland der attraktivste Telekommunikationsmarkt in Westeuropa. Das Wachstumspotenzial bei mobilen Breitbanddiensten ist in Deutschland besonders hoch. Gleichzeitig besteht weiterhin ein hohes Wachstumspotenzial bei klassischen Breitbandanschlüssen im Festnetzmarkt, die eine Durchdringung von bis zu 80 bis 90 Prozent der Haushalte in den nächsten fünf Jahren erreichen können.

Neue Geräte bringen mobile Breitband-Dienste voran
Auf europäischer Ebene werden die Umsätze mit Sprachdiensten im Festnetz- und auch im Mobilfunkmarkt weiterhin rückläufig sein. Festnetzbetreiber werden ihre Verluste dabei nicht vollständig durch Umsatzsteigerung mit einer wachsenden Zahl von Breitbandanschlüssen kompensieren können. Im Mobilfunkmarkt jedoch erwarten die Analysten ein Umsatzwachstum, das vor allem von einer zunehmenden Nachfrage nach mobilen Breitbanddiensten getrieben wird. Bis 2012 werden laut Studie rund 50 Prozent der Bevölkerung in westeuropäischen Ländern mobile Breitbanddienste nachfragen. Kunden werden weiterhin über klassische Datenkarten und breitbandfähige Mobiltelefone, aber zunehmend auch über andere Endgeräte wie Notebooks, PDAs, MP3-Player, Videospielkonsolen und sogar über digitale Kameras mobile Breitbanddienste nutzen.

Glasfasernetz wächst mit VoIP- und Internet-TV
Zum Teil werden auch Festnetzanbieter von dem wachsenden Bedarf an mobilen Breitbanddiensten profitieren. So wird der resultierende Datenverkehr teilweise über das Festnetz transportiert werden, beispielsweise über WLAN/WiFi oder über kleine, an das Festnetz angeschlossene Mobilfunkzellen (Femtocells).

Die Bereitstellung der dafür erforderlichen Glasfaserinfrastruktur wird mittelfristig auch durch die Notwendigkeit forciert werden, immer höhere Kapazitäten für Live-Anwendungen wie IPTV und Voice-over-IP zur Verfügung zu stellen.

Telekommunikationsanbieter unter Druck
Den Großteil ihres Gewinns generieren Telekommunikationsanbieter mit Leistungen für den Netzzugang, also Festnetz- und Mobilfunkanschlüssen. Dieser Gewinn steht jedoch aufgrund von drei aktuellen Marktentwicklungen unter Druck:

- Inhalte werden immer wichtiger. Die Inhalte, beispielsweise Fußballrechte, müssen entweder teuer eingekauft werden, oder es müssen immer höhere Umsatzanteile an eine wachsende Zahl von Inhalteanbietern abgegeben werden.
- Weltweit tätige Internet-Giganten möchten ihren Kunden den Zugang zu ihren Leistungen erleichtern. Deshalb üben sie zunehmend Druck auf Netzzugangsanbieter aus und treten teilweise in direkten Wettbewerb mit den Telekommunikationsanbietern.
- Endgerätehersteller werden verstärkt Umsatzanteile fordern. Dies gilt sowohl im Mobilfunkmarkt, wie beispielsweise das iPhone gezeigt hat, als auch im Festnetzbereich bei Set-Top-Boxen. Mit Set-Top-Boxen versuchen Schwergewichte in diesem Markt wie beispielsweise Sony, Microsoft oder Cisco eine zentrale Stellung in den Wohnzimmern einzunehmen.

Mobilfunk: Preissturz hat ein Ende
In den Jahren 2006 und 2007 sanken die Preise für mobile Sprachdienste in Deutschland, ohne dass ein Ausgleich über eine wachsende Anzahl von Gesprächsminuten erzielt werden konnte. Die Minutenpreise für mobile Sprachdienste sanken um 25 Prozent auf rund 14 Cent, doch das Sprachaufkommen stieg lediglich um etwa 20 Prozent. Der durchschnittliche Ertrag, den Mobilfunkunternehmen pro Kunde erzielen, liegt im deutschen Markt derzeit nur noch bei lediglich monatlich 18 Euro gegenüber einem europäischen Durchschnittswert von 26 Euro. Die Studie geht davon aus, dass sich der Rückgang der Minutenpreise für mobile Sprachdienste 2008 verlangsamt. Gleichzeitig steigende Umsätze mit mobilen Breitbanddiensten dürften zu einer Trendumkehr der Umsätze der Mobilfunkanbieter führen, so dass diese voraussichtlich ab 2009 wieder Umsatzzuwächse erzielen können.

Breitband: Bald in bis zu 90 Prozent der deutschen Haushalte
Im Markt für Breitbanddienste im deutschen Festnetz besteht weiterhin hohes Wachstumspotenzial. 2008 wuchs die Marktdurchdringung um 10 Prozentpunkte auf 46 Prozent und liegt damit weiterhin unter dem europäischen Durchschnitt von 53 Prozent. Gleichzeitig sanken die Preise für neue Anschlüsse jedoch um 20 Prozent. In welchem Ausmaß die Umsätze im Festnetzbreitbandmarkt steigen werden, hängt daher von den zukünftigen weiteren Preisverfällen ab, die mit einer weiteren Steigerung der Marktdurchdringung auf bis zu 80 bis 90 Prozent aller deutschen Haushalte mit Breitbanddiensten auf Festnetzbasis in den nächsten fünf Jahren einhergehen werden.

Die vollständige Studie kann im PDF-Format kostenlos heruntergeladen werden. (jp)

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