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Fernsehen bleibt unverwüstliches Medium

15.02.2009 | 14:17 Uhr |

Während Zeitungsverlage und Buchhandel aufgrund rückläufiger Leserzahlen zunehmend unter Druck geraten, erweist sich in den Reihen der klassischen Medien lediglich das Fernsehen als nahezu unverwüstlich.

Obwohl der Medienkonsument mittlerweile sehr viel Zeit mit Online-Videos im Internet verbringt, bringt er immer noch rekordverdächtig viel Zeit für die vergleichsweise altmodische TV-Nutzung auf. Dem Marktforschungsinstitut Nielsen Media Research zufolge verbrachte der durchschnittliche US-Amerikaner im letzten Quartal 2008 rund 142 Stunden pro Monat vor dem TV-Bildschirm, das sind um rund fünf Stunden mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Gegenüber der aufstrebenden Online-Konkurrenz hat das TV somit immer noch klar die Nase vorne, denn die Internetnutzung liegt in den USA laut den Marktforschern derzeit lediglich bei durchschnittlich 27 Stunden pro Monat.

"Die tägliche Nutzungsdauer der Gesamtzuschauer ab einem Alter von drei Jahren ist in Deutschland zwischen 2007 und 2008 nahezu unverändert geblieben", stellt Sven Birgmeier, Pressesprecher bei media control , auf Anfrage von pressetext fest. Im Durchschnitt hätten die deutschen Bürger im vergangenen Jahr 207 Minuten pro Tag vor dem TV-Bildschirm verbracht, das sei lediglich um eine Minute weniger als im Vorjahr. "Mit Internet und Handy hat das Medium TV in den letzten Jahren neue Konkurrenz bekommen. Wie verschiedene Studien zeigen, liegt das Fernsehen in puncto Nutzungsdauer aber immer noch deutlich vor dem Internet", ergänzt Bernhard Engel von der Medienforschungsabteilung des ZDF im Gespräch mit pressetext.

Natürlich sei das Web den klassischen Medien in einigen Bereichen wie etwa der Interaktivität voraus. "Das TV zeichnet sich aber durch eine besonders hohe Erlebnisqualität aus, die durch technische Weiterentwicklungen wie dem HD-Fernsehen noch gesteigert werden konnte", betont Engel. Entscheidende Faktoren in diesem Zusammenhang seien aber auch Aktualität, Emotionalität und ein gewisses Miteinander-Gefühl, das beim TV-Publikum entstehe. "Fernsehkonsumenten bleiben zwar anonym und können sich nicht wie im Netz interaktiv miteinander austauschen. Sie wissen aber auch, dass eine TV-Sendung von Mio. von Menschen auf der ganzen Welt gleichzeitig gesehen wird", erläutert Engel.

Dass sich das Fernsehen im Vergleich zu anderen klassischen Medien wie Zeitungen und Büchern noch so gut behaupten kann, liege aber auch zu einem großen Teil daran, dass es sich hierbei um eine visuelle Medienform handelt. "Textorientierte Medien sind heute bei den Konsumenten nicht mehr so stark gefragt wie früher. Medien mit Bewegtbild-Inhalten liegen mittlerweile in der Nutzergunst eindeutig vorne", erklärt der ZDF-Medienforscher. Dies gelte genauso für klassische Medien wie das Fernsehen, als auch für neuere Ausprägungen wie das Internet. "Aus der Wahrnehmungspsychologie wissen wir, dass der Effekt von Medieninhalten umso nachhaltiger ist, je mehr Sinne beim Nutzer angesprochen werden können. Der optische Reiz einer Fernsehsendung ist in dieser Hinsicht dem gedruckten Text eindeutig überlegen", so Engel abschließend. (pte)

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