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Arbeitsstress belastet den Rücken

24.04.2009 | 11:35 Uhr |

Nicht allein körperliche Belastungen am Arbeitsplatz, sondern auch Stress kann Rückenschmerzen verursachen.

Davor warnt die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege ( BGW ) . "Mehrere Studien haben gezeigt, dass bestimmte psychosoziale Belastungen Rückenschmerzen auslösen oder verschlimmern können", betont Albert Nienhaus, BGW-Fachmann für Präventions- und Rehabilitationsforschung in der Arbeitswelt. Neben ergonomischen Verbesserungen des Arbeitsumfeldes wie rückenfreundliche Stühle, Stehpulte, technische Hilfsmittel zum Heben und Tragen solle bei Rückenschmerz auch die Arbeitsorganisation und das Betriebsklima unter die Lupe genommen werden, so die Empfehlung des BGW.

Stress in der Arbeit kennzeichne sich durch hohe Anforderungen an die Quantität bei geringem Entscheidungsspielraum. "Können viele Entscheidungen selbst getroffen werden, bedeuten oft auch hohe Anforderungen nur wenig Stress", erklärt der Arbeitsmediziner. Schädigend für den Rücken seien weiters auch hoher Zeitdruck, undurchsichtige Betriebsabläufe, geistige Über- oder Unterforderung sowie Monotonie. Auch ein schlechtes Betriebsklima könne zu unerklärlichen Schmerzen im Kreuz beitragen.

Warum der Rücken besonders an Stress leidet, führt Nienhaus auf zwei Ursachen zurück. "Einerseits kommt es bei Stress zur Erhöhung des Muskeltonus, wodurch sich die Muskulatur schmerzhaft verspannt. Andererseits macht Stress auch unzufrieden, was zu einer niedrigen Schwelle für die Wahrnehmung von Beschwerden führt." Einige Autoren gehen davon aus, dass vier von fünf Rückenbeschwerden nicht durch orthopädische Befunde zu erklären sind und damit eine psychosoziale Ursache haben. Diese Angaben seien laut Nienhaus womöglich zu hoch gegriffen, doch es gäbe nur sehr begrenzte Möglichkeiten, zwischen körperlichen und psychosozialen Ursachen zu unterscheiden. "Sichere Aussagen über die genaue Häufigkeit sind dadurch nicht möglich", so der Arbeitsmediziner.

Um die Stressbelastung im Arbeitsalltag rechtzeitig zu erkennen, eignen sich laut Nienhaus Fragebögen zu Stress am Arbeitsplatz (LINK), die teilweise auch berufsspezifisch sind. Änderungen der Arbeitsorganisation könnten auf psychosoziale Belastungen eingehen und Verbesserungen bewirken, etwa durch die Einführung von mehr Freiräumen und Mitspracherecht bei der Arbeitsgestaltung oder durch Maßnahmen zur Besserung des Betriebsklimas. Darüber hinaus seien Bewegung und Sport auf individueller Ebene entlastend. "Bei besonders ausgeprägten, chronischen Fällen empfiehlt sich die Psychotherapie, wenn eine körperliche Verursachung des Rückenschmerzes ausgeschlossen werden kann", so der Hamburger Arbeitsmediziner. (pte)

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