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Streit um Internet-Pauschaltarif

13.11.2000 | 16:38 Uhr |

Für die Deutsche Telekom ist die Sachlage eindeutig: Surfen im Internet zum Pauschaltarif muss es geben, aber die Zuführung der Endkunden über das Telefonnetz kann nur im Zeittakt erfolgen. Onlinediensten sind diese Zugangskosten aber ein Dorn im Auge.

Für die Deutsche Telekom ist die Sachlage eindeutig: Surfen im Internet zum Pauschaltarif muss es geben, aber die Zuführung der Endkunden über das Telefonnetz kann nur im Zeittakt erfolgen. Onlinediensten sind diese Zugangskosten aber ein Dorn im Auge.

"Nur unter fairen Wettbewerbsbedingungen und kostenorientierten Preisen auf dem Telekommunikationsmarkt kann in Deutschland dem Internet zu einem Durchbruch verholfen werden", heißt es beim Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) in Köln.

Über den Streit entscheidet an diesem Mittwoch die Bonner Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation. Im Rahmen eines Missbrauchsverfahrens, eingeleitet unter anderem von AOL Deutschland, hat die Behörde den Pauschaltarif der Telekom von 79 Mark monatlich für freies Surfen im Internet unter die Lupe genommen. Dabei fordern die Wettbewerber nicht nur eine Flatrate für Endkunden, sondern auch für den Bezug von Vorleistungen, die sie in Form von Leitungskapazitäten von der Telekom beziehen.

"Nur mit einem erschwinglichen monatlichen Pauschalpreis schaffen wir es, dem Medium Internet zum Durchbruch zu verhelfen", meint Uwe Heddendorp, Vorsitzender der Geschäftsführung von AOL Deutschland.

Pauschaltarife von 80 Mark, wie sie derzeit von T-Online und AOL angeboten werden, seien für die breite Masse einfach zu teuer. "Der Gebührenzähler in den Köpfen der Verbraucher muss endlich aufhören zu ticken", fordert der AOL-Chef. Dabei denkt er an eine monatliche Pauschale von unter 50 Mark.

Eine Großhandels-Flatrate könnte das Internet in Deutschland kräftig anschieben, meinte AOL-Sprecher Jens Nordlohne. Düster sieht es aber aus, wenn die Pauschale scheitert: "Wir würden um Jahre zurückgeworfen und in Europa die rote Lampe tragen".

Hans-Willi Hefekäuser, Regulierungsexperte der Telekom, sieht das ganz anders: Er hält das Preisniveau von 1,5 Pfennig im Citybereich (Internetzugangstarif) keineswegs für eine Bremse. Schließlich sei dieser Sondertarif für die Online-Diensteanbieter seit Einführung um 65 Prozent gefallen. Außerdem könne man mit einer Pauschale für den Bezug von Vorleistungen das ganze wirtschaftliche Risiko des Nutzerverhaltens nicht der Telekom aufbürden.

Doch das wichtigste Argument Hefekäusers lautet: Gefördert würde mit einer solchen Pauschale ein technisches Auslaufmodell, nämlich das schmalbandige Telefonnetz. Milliarden-Beträge müssten in das Netz investiert werden, damit es bei intensiver Nutzung nicht verstopfe.

"Das wäre eine technologische Sackgasse, die Zukunft des Internets ist breitbandig", meint er. Das wäre die DSL-Technik, die auf das herkömmliche Netz aufsetzt und Daten paketvermittelt in hoher Geschwindigkeit überträgt.

AOL-Sprecher Nordlohne hält diese Argumente für vorgeschoben: Mit dem britischen FRIACO-Modell (Flatrate Internet Access Call Origination) könnte man eine Überlastung des Telefonnetzes an den Ortsvermittlungsstellen bereits ausschließen. Dort werde der Daten- und Sprachverkehr voneinander getrennt. Die britischen Erfahrungen hätten gezeigt, wie eine solche Flatrate funktionieren kann.

Hefekäuser gibt sich zuversichtlich, dass die Regulierungsbehörde im Sinne der Telekom entscheidet. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es zur Anordnung einer Flatrate im Vorleistungsbereich kommen wird". Doch genau das fordert AOL-Chef Heddendorp: Die Behörde müsste dem FRIACO-Modell folgen, eine rechtlich verbindliche Großhandelspauschale anordnen und eine zeitliche Frist setzen. (PC-WELT, 13.11.2000, dpa/ mp)

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