164626

US-Kleinstadt verbannt Google-Kamerateams

03.06.2008 | 13:12 Uhr |

Die kleine Stadt North Oaks im US-Bundesstaat Minnesota hat sich erfolgreich gegen die im Rahmen von Googles Fotokartendienst Street View gemachten Aufnahmen gewehrt.

Wie das Branchenportal Cnet berichtet, sind die Straßen des rund 4.500 Einwohner zählenden Städtchens in Privatbesitz. Entsprechende Schilder mit der Aufschrift "Durchfahrt verboten" würden Besucher bereits bei der Einreise in das Stadtgebiet über diese Tatsache aufklären. Als aber kürzlich dennoch Aufnahmen der Privatstraßen im Rahmen des Geographie-Dienstes Google Maps und dessen Street-View-Funktion im Internet auftauchten, staunten nicht nur deren Einwohner, sondern auch deren oberste Organe. Das Befahrungsverbot gelte auch für die mit Kameras bestückten Autos, die für Google Aufnahmen vieler US-Städte machen, stellte der Stadtrat in einem Brief an den Suchmaschinenbetreiber klar. Google musste daraufhin die betreffenden Aufnahmen aus seiner Bilderdatenbank entfernen.

"Wir sind ganz bestimmt kein hochnäsiges Volk, das versucht, sich von der restlichen Welt abzukapseln", erklärt Thomas Watson, Bürgermeister von North Oaks, gegenüber der Zeitung Minneapolis Star Tribune . Google müsse sich aber an die geltenden Bestimmungen halten. Der Internetkonzern habe nicht das Recht, die Straßen der Stadt zu befahren, geschweige denn dabei noch Fotos zu machen. "Google hatte absolut keine Autorisierung, um Privatbesitz betreten zu dürfen", betont Watson.

"Es geschieht wirklich äußerst selten, dass eine ganze Stadt wünscht, aus Street View entfernt zu werden", meint Google-Sprecherin Elaine Filadelfo. "Überall dort, wo wir Aufnahmen für Street View machen, halten wir uns an die gängige Rechtslage", betont Kay Oberbeck, Sprecher von Google Nordeuropa, auf Anfrage von pressetext. Diese sei oft von Land zu Land sehr unterschiedlich. "Um diesen Dienst, der derzeit nur in den USA verfügbar ist, auch in Europa anwendbar zu machen, müssen wir uns einige Abänderungen überlegen", erläutert Oberbeck. Wenn sich jemand durch bestimmte Aufnahmen in seinen Persönlichkeitsrechten gestört fühle, habe er aber jederzeit die Möglichkeit, mit Google in Kontakt zu treten und seine Kritik zu begründen. "Ein Beanstandungsmechanismus für unverhältnismäßige Fotos war von Anfang an bei Street View integriert", schildert Oberbeck. Um den Dienst sicherer zu machen, habe man außerdem eine eigene Software entwickelt, die Gesichter von Personen unkenntlich macht.

Bereits Anfang März hatte das US-Verteidigungsministerium dem Suchmaschinenbetreiber Filmaufnahmen auf US-Militärbasen verboten. Ausschlaggebend hierfür war das Auftauchen von detaillierten Bildern von Fort Sam Houston, einem Armeestützpunkt im US-Bundesstaat Texas, auf dem Geographie-Dienst Google Maps. Insbesondere die über das Street-View-Feature leicht zugänglichen Videoaufnahmen würden eine "potenzielle Sicherheitsbedrohung" darstellen, begründete das Pentagon seine Entscheidung. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass Google mit dem Dienst auch bald in Europa an den Start gehen könnte. "Wir haben derzeit noch keine konkrete Pläne darüber, in welchen Städten und Ländern wir mit Street View starten werden", so Oberbeck abschließend. (pte)

0 Kommentare zu diesem Artikel
164626