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Schreien Sie Ihre Festplatte nicht an!

07.01.2009 | 16:30 Uhr |

Festplatten sind äußerst empfindliche Geräte, die sich zum Beispiel durch Vibrationen leicht aus dem Tritt bringen lassen. Ein ungewöhnliches Experiment zeigt, dass dafür schon lautes Schreien ausreichen kann.

Heute durchaus üblich sind Maßnahmen zur Geräuschdämmung, die von Festplatten erzeugte Vibrationen vom PC-Gehäuse fern halten sollen. Dass sich Schwingungen auch über die Luft auf die Laufwerke übertragen und dabei zumindest Leistungseinbrüche verursachen können, ist hingegen weniger bekannt. Ein Techniker hat mit Hilfe einer speziellen Software nachgewiesen, dass bereits das Anschreien einer Festplatte einen kurzzeitigen Effekt haben kann.

Brendan Gregg, Ingenieur bei Fishworks, berichtet in seinem Blog über sein Experiment mit großen Disk-Arrays im Rechenzentrum seiner Firma. Er setzt eine Analyse-Software ein, mit der er die Leistung der Festplatten überwachen kann. Ausgangspunkt des Experiments war eine Festplatte, bei der eine der Befestigungsschrauben fehlte. Sie zeigte unter dem Einfluss von Vibrationen Leistungseinbrüche.

Wie Gregg in einem Video demonstriert, lassen sich Festplatten auch durch bloßes Anschreien aus dem Tritt bringen. Die Datenübertragung bricht dabei für wenige Sekundenbruchteil ein. In den Kommentaren zu seinem Blog-Eintrag werden diese Ergebnisse eifrig diskutiert. Dabei weisen einige Kommentare auf Veröffentlichungen hin, in denen der Einfluss von Schwingungen auf Festplatten bereits untersucht wurde.

Es wird davon ausgegangen, dass die Schreib-/Leseköpfe der Laufwerke durch die Schallimpulse ein wenig ausgelenkt werden und somit nicht mehr in der exakten Position über der zu lesenden Datenspur schweben. Das Laufwerk muss den Kopf neu positionieren, was zu einer messbaren Verzögerung führt. Andere vermuten, dass die Beschleunigungssensoren angesprochen haben, die zum Schutz der Mechanik vor mechanischen Stößen einen Parkvorgang der Festplattenköpfe veranlasst haben.

Interessanter als dieses eher exotische Experiment von Brendan Gregg ist jedoch etwa die Beobachtung eines Kommentarschreibers, der Gehäuselüfter mit defekten Lagern gegen neue ausgetauscht hat, weil ihn das Geräusch der Lüfter nervte. Der Datendurchsatz im Festplatten-Array wurde dadurch sogar subjektiv spürbar verbessert.

Ebenfalls interessant die Annahme dieses Kommentarschreibers, die Gummiaufhängungen, die den von einer Festplatte verursachten Lärm mindern sollen, könnten die Laufwerke empfindlicher für Stöße und Schallwellen machen. Schreien Sie also besser nicht die Festplatte an, wenn der Computer zu lahm ist - das könnte kontraproduktiv sein.

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