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Steuern fürs Surfen am Arbeitsplatz?

14.07.2000 | 14:35 Uhr |

Arbeitnehmer, die am Arbeitsplatz privat surfen, genießen einen geldwerten Vorteil und müssen dies versteuern. Künftig sollen sie daher während des Surfens genau Buch halten, ob die gerade besuchte Seite auch wirklich für berufliche Zwecke genutzt wird. Das "Fahrtenbuch" wird komplett, wenn noch zusätzlich die genaue Zeit, Dauer und Grund des Website-Zugriffs dokumentiert werden.

Arbeitnehmer, die am Arbeitsplatz privat surfen, genießen einen geldwerten Vorteil und müssen dies versteuern. Künftig sollen sie daher während des Surfens genau Buch halten, ob die gerade besuchte Seite auch wirklich für berufliche Zwecke genutzt wird. Das "Fahrtenbuch" wird komplett, wenn noch zusätzlich die genaue Zeit, Dauer und Grund des Website-Zugriffs dokumentiert werden.

Was zunächst wie ein Aprilscherz klingt oder in die Schublade "Sommerloch-Äußerungen" passt, kursiert tatsächlich gerade in den Nachrichten. Laut Informationen verschiedener Zeitungen soll der Erlass des Bundesminsteriums für Finanzen schon vorliegen.

Auf Nachfrage der PC-WELT teilte das Ministerium zwar mit, dass ein solcher Erlass noch nicht existiert. Dass er kommen soll, steht jedoch so gut wie fest."Nach dem Grundsatz der Gleichmäßigkeit der Besteuerung wird ein Erlass am 1. Januar 2001 in Kraft treten. Es muss eine Besteuerung für das Surfen am Arbeitsplatz geben, wie es schon eine Besteuerung für das Telefonieren gibt", erklärte Pressesprecherin Andrea Herrmannsen.

Bisher lägen nur Vorschläge des Ministeriums vor. Sie seien auch schon den Ländern zugegangen. Nun müsse man die weitere Vorgehensweise prüfen. Auch eine Pauschalisierung sei denkbar, so Herrmannsen. Damit bliebe den Angestellten wenigstens die aufwendige Buchführung ihrer Internet-Nutzung erspart.

Sollte aber tatsächlich ein komplettes "Fahrtenbuch für das Internet" erforderlich werden, brechen harte Zeiten für den Angestellten an. Sobald dieses Buch Lücken enthält, kann das Finanzamt die gesamten Internet-Kosten des Arbeitsplatzes als geldwerten Vorteil ansehen, die der Arbeitnehmer dann komplett versteuern muss. Außerdem wird mit einem enormen Verwaltungsaufwand sowie hohen Kosten für die Überwachung des Internet-Zugangs durch die Unternehmen gerechnet. Wie hoch diese ausfallen, ist noch nicht berechnet worden. Pressesprecherin Herrmannsen: "In dieser Hinsicht gibt keinerlei Planspiele."

Raum für Spekulationen bleibt. Wie der tatsächliche Erlass aussehen wird, lässt sich noch nicht sagen. Um im Januar in Kraft treten zu können, muss ein konkreteres Konzept bis zum Herbst vorliegen. Allerdings ist mit enormen Widerstand der Unternehmen zu rechnen, die schon jetzt angekündigt haben, gegen die Regelung "Sturm zu laufen". (PC-WELT, 14.07.2000, pk)

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