18.06.2012, 12:41

Panagiotis Kolokythas

Statuscode 451

HTTP-Code für zensierte Websites-Seiten vorgeschlagen

Vorschlag eines Google-Entwicklers: HTTP-Code für zensierte Websites-Seiten ©istockphoto.com/Henrik5000

Ein Google-Entwickler hat die Einführung eines neuen HTTP-Statuscodes vorgeschlagen, mit dem künftig Websites markiert werden könnten, deren Inhalt von staatlichen Behörden zensiert worden ist.
Der Google-Entwickler, XML-Miterfinder und Android-Experte Tim Bray hat der Internet Engineering Task Force (IETF ) die Einführung eines neuen HTTP-Statuscodes vorgeschlagen. "451 Unavailable for Legal Reasons" könnte als Fehlermeldung immer dann zum Einsatz kommen, wenn der Internet-Nutzer eine Website aufruft, deren Inhalt im Land des Internet-Nutzers aufgrund des Eingriffs einer staatlichen oder gerichtlichen Instanz zensiert worden ist. Eine Übersicht mit allen derzeit gültigen HTTP-Statuscodes bietet Google auf dieser Seite an.
Die Wahl des Statuscodes "451" ist nicht zufällig, sondern spielt auf den Roman Fahrenheit 451 von Ray Bradbury an, dessen Geschichte in einem Staat spielt, in dem es als schweres Verbrechen gilt, ein Buch zu besitzen oder gar zu lesen und in dem es zur Routine geworden ist, Bücher zu verbrennen und nicht gewünschte Inhalte zu zensieren. In China hat Google Anfang Juni bereits damit begonnen, Suchwörter zu markieren, die Suchergebnisse liefern, die aufgrund der Aufforderung der chinesischen Behörden zensiert werden.
Die Forderung von Bray sorgt aber auch für hitzige Diskussionen in einschlägigen Foren. Wichtigstes Gegenargument der Kritiker: Das Markieren von Inhalten per 451-Code ließe keine Rückschlüsse darüber zu, ob die betreffenden Inhalte aufgrund von rechtlichen Gründen gesperrt werden mussten oder ob ein Staat versucht, eine nicht gewünschte Meinung zu zensieren. Allerdings sieht der Entwurf von Bray vor, dass die Seitenbetreiber dem Code Informationen darüber hinzufügen können, welche staatliche Behörde die Sperrung des Inhalts veranlasst hat und aus welchen Gründen dies geschah.
Unklar ist bisher, ob die IETF den Vorschlag von Bray aufgreifen und offiziell zur Diskussion stellen wird. In den USA - und meistens auch in Deutschland - ist es üblich, dass auf Websites, deren Kontrolle die Behörden im Zuge von Untersuchungen oder richterlichen Anordnungen übernommen haben, ein Hinweis darüber erscheint. Hierzulande ist dies beispielsweise wie im Falle von Kino.to der Hinweis "Die Kriminalpolizei weist auf Folgendes hin". Auf US-Websites erscheinen meistens Hinweise und Logos vom "FBI" oder vom  "Department of Homeland Security".
In Deutschland ist laut Angaben von Google die Zahl der Nutzerdatenanfragen von Behörden und Gerichten bei Google im vergangenen Jahr um 73 Prozent auf 2.491 Anfragen gestiegen. Damit werden in Deutschland nun ähnlich viele Anfragen wie in den Ländern Frankreich und Großbritannien gestellt.
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