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Jajah spielt Werbespots

Der webbasierte Callback-Anbieter Jajah will das Freizeichen vor seinen Telefonaten durch Werbespots ersetzen. Bevor die Kunden den Service nutzen können, müssen sie der Reklame zustimmen. Anschließend bekommen sie Telefonminuten fürs Hören der zehn bis 15 Sekunden langen Spots gutgeschrieben.

Der webbasierte Callback-Anbieter Jajah will das Freizeichen vor seinen Telefonaten jetzt durch Werbespots ersetzen. Die Kunden müssen vorher einwilligen und bekommen dann Telefonminuten fürs Hören der zehn bis 15 Sekunden langen Reklame gutgeschrieben. "Bis zur Hälfte der Werbeeinnahmen erhält der Telefonkunde als Gutschrift auf seiner Rechnung", sagt Jajah-Mitgründer Daniel Mattes. "Die andere Hälfte teilen wir uns mit der Telefongesellschaft." Das neue System funktioniert mit normalen Telefonen und mit Handys. Nachdem der Anrufer auf einer Internet-Seite oder im Handy seine eigene Nummer sowie den Anschluss seines Gesprächspartners eingegeben hat, baut der Jajah-Server eine Verbindung zu beiden Teilnehmern auf und verbindet sie. Bis der Gesprächspartner antwortet, wird Werbung gespielt, aber das laufende Gespräch wird nicht durch Reklame unterbrochen.

Wenn das Jajah-Telefonat am PC gestartet wird, sollen ähnlich wie beim Konkurrenten Peterzahlt.de passende Werbebanner auf dem Bildschirm eingeblendet werden. Bei einem Handy kann zusätzlich eine SMS mit einer Marketing-Botschaft gesendet werden. Einige große Markenartikelunternehmen sollen bereits interessiert sein, so dass die Gründer sich jetzt schon die Hände wegen der erwarteten Einnahmen reiben. "Das Telefon ist nach dem Internet das am häufigsten genutzte Medium unserer Zeit - weit vor TV, Print oder Radio", sagt Jajah-Mitgründer Roman Scharf. "In den Werbeetats der Wirtschaft kommt das Telefon nicht vor, da es keine Plattform gibt, die Werbung und Telefonie auf einen gemeinsamen Nenner bringt. Ab heute eröffnen wir den Werbetreibenden ein gigantisches neues Medium."

Die Industrie dürfte sich die Finger lecken, weil ihre Marketing-Botschaften kaum Streuverluste erleiden. Bei der Anmeldung zur Werbetelefonie müssen die Jajah-Kunden detaillierte Fragen über Person, Einkünfte und Interessen beantworten. Die Unternehmen legen damit genau fest, wem ihre Werbespots vorgespielt werden. Außerdem kann Jajah an den Telefonnummern ablesen, wohin telefoniert wird. Wenn jemand von Frankfurt nach London anruft, kann er Werbung für billige Flüge zwischen beiden Städten eingeblendet bekommen. Die Werbeplätze werden ähnlich wie Google in einer automatischen Auktion verkauft, damit keiner ungenutzt bleibt und Jajah immer den höchstmöglichen Preis erzielt.

"Mit unserer neuen zum Patent angemeldeten Werbeplattform wird sich das Telefonnetz zügig zu einer gewaltigen Werbeplattform mit integrierter Gesprächsfunktion entwickeln", sagt Mattes. Doch trotz Patentanmeldung ist Jajah nicht der erste Anbieter mit solchen Ideen. Der ähnlich funktionierende Service Talkster spielt ebenfalls zehn Sekunden Werbung vor jedem Anruf. Die kalifornische Firma Pudding Media belauscht sogar die Gespräche, um während ihrer kostenlosen Telefonate die Werbung passend zum Inhalt einzublenden. In den USA warnen Bürgerrechtsgruppen daher vor solchen Services. Anfangs seien sie ja nett, weil die Werbung die Telefonpreise senkt. Ganz kostenlos werden die Gespräche bei Jajah aber nicht. Später könnten dann die Preise des reklamefreien Normalangebotes steigen, so dass man kaum noch um die Freigabe seiner persönlichen Daten für die Werbeindustrie herum kommt.

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