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Venture-Capital-Investoren ergreifen die Flucht

22.07.2008 | 12:35 Uhr |

Das Wachstum der US-Venture-Capital-Industrie hat sich im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres verlangsamt und zeigt nur noch eine stagnierende Entwicklung.

Wie die BusinessWeek unter Berufung auf die National Capital Association berichtet, beläuft sich das Transaktionsvolumen für die vergangenen drei Monate auf 7,4 Mrd. Dollar. Die volatilen Aktienmärkte hätten bei einem Großteil der Venture-Capital-gestützten Start-up-Finanzierer zu einem Liquiditätsengpass geführt, der sich nun in rückläufigen IPO-Zahlen von innovativen Neugründungen niederschlägt. "Dass Börsengänge wegen der Finanzkrise leicht rückläufig sind, trifft hauptsächlich auf die USA zu. In Österreich hingegen kam es bislang noch nicht zu Negativfolgen. Wenn diese noch kommen sollten, dann mit erheblichen Zeitverzögerungen", sagt Jürgen Marchart, Geschäftsführer der Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation , im Gespräch mit pressetext.

Vor allem wegen der schlechten Konjunktur in den USA sowie den Auswirkungen durch die noch immer nicht ausgestandene Finanzmarktkrise entspricht die Differenz der Investitionen über 990 Geschäftsabwicklungen nur dem Wert der Vorjahresperiode. Kopfzerbrechen bereitet der Branche der Umstand, dass IPOs aussichtsreicher Start-ups von der Finanzwelt im Umfeld der schwierigen Rahmenbedingungen vernachlässigt werden. Die sich daraus ergebenden Enttäuschungen für die Anleger machen sich in einem IPO-Rückgang geplanter Börsengänge bemerkbar. Die Zahlen verdeutlichen die "kalte Schulter des Aktienmarktes" für Start-ups. Angesichts dieser Bedingungen konnten bis zum Juli magere fünf Börsengänge von Start-ups abgeschlossen werden, die zuvor von Venture Capitalists gegründet worden waren. Wenig erfreulich für die Branche ist auch, dass davon kein einziges IPO-Debüt im zweiten Quartal erfolgt ist. Statistisch gesehen, ist dies somit seit 30 Jahren das erste Mal, dass in den USA innerhalb eines Quartals kein einziger Venture-Capital-gestützter Börsengang stattfand.

Die eingetrübte Situation verdeutlicht sich hingegen auch mit Blick auf die Zahl der gekauften Start-up-Unternehmen. Im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2007 sackte der Wert um 28 Prozent ab. "Daraus lässt sich schlussfolgern, dass Venture-Capital-Gesellschaften in den USA dazu übergehen, Investitionen in ältere Start-ups für eine längere Zeit als ursprünglich geplant, zu tätigen. Dies reduziert das Risiko", meint Marchart auf Nachfrage von pressetext. Zudem sei die Möglichkeit, auf diese Weise noch Gewinne aus den Anfangsinvestitionen zu lukrieren, weitaus höher, als den riskanten und derzeit wenig versprechenden IPO-Weg für neue Start-ups zu gehen. Zwar werden die Bedingungen für die US-Venture-Capital-Industrie noch längst nicht mit denen der geplatzten Dot.com-Blase 2001 verglichen, dennoch nimmt die Zahl derjenigen Venture-Capitalists, die unruhig werden, zu. "Zu diesem Zeitpunkt ist es berechtigt, sich Sorgen zu machen. Noch sehen wir das Ganze als zyklisches Phänomen. Doch je länger dies dauert, desto größer werden die Bedenken", zitiert der Bericht Trevor Loy, Managing Partner bei Flywheel Ventures. (pte)

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