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Spiele überteuert?

Die EU-Kommission hat ein Verfahren gegen Nintendo und dessen Vertriebspartner eingeleitet. Den Unternehmen werden Preisabsprachen und eine Aufteilung des europäischen Spielemarkts vorgeworfen.

Die EU-Kommission hat ein Verfahren gegen Nintendo und sieben seiner Vertriebspartner eingeleitet. Unersucht werden soll, ob die Unternehmen den Markt für Spielkonsolen und Video-Spiele unter sich aufgeteilt haben. Die Kommission befürchte "eine kartellartige Anordnung mit dem Ziel, den europäischen Binnenmarkt aufzuteilen".

Es gebe Informationen, dass jedem Vertriebspartner innerhalb der EU ein nationaler Bereich zugeordnet worden sei, in dem Nintendo-Produkte vermarktet würden. Gleichzeitig gelte die Verpflichtung, so genannte Parallel-Importe, also den Vertrieb von Spielen über andere Kanäle, zu verhindern. Dies werde mit Exportverboten und der genauen Kontrolle des Groß- und Einzelhandels erreicht. Es habe auch schon entsprechende Sanktionen gegeben.

Die EU-Kommission beschuldigt Nintendo außerdem, den Einzelhändlern den Weg in einen größeren Wettbewerb über den Preis zu erschweren. Dies habe zur Folge, dass die Spiele überteuert seien. Es gebe Preisunterschiede bis um das Zweifache in einzelnen EU-Staaten.

Nach Angaben der Kommission hat Nintendo 1997 etwa 55 Millionen Spielkonsolen und Computerspiele verkauft und damit die Marktführerschaft erreicht. So seien etwa weltweit 235 Millionen Gameboys verkauft worden. Die Untersuchungen gegen das Unternehmen hätten bereits 1995 begonnen, und obwohl Nintendo davon gewusst habe, seien die Wettbewerbsverletzungen weiter gegangen.

Nintendo und die anderen haben nun zwei Monate Zeit, um sich zu rechtfertigen. Dann entscheidet die Brüsseler Behörde, ob sie ein Bußgeld verhängt, das im Höchstfall zehn Prozent des Umsatzes betragen kann. 1998 setzte Nintendo 3,8 Milliarden Euro um. (PC-WELT, 28.04.2000, dpa/ sp)

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