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Spiele-PCs weltweit brauchen bald 50 Kraftwerke für Strom

04.09.2015 | 17:28 Uhr |

Wie eine Studie von Berkeley Lab herausgefunden hat, verbrauchen alle Gaming-PCs weltweit rund 10 Milliarden US-Dollar an Strom pro Jahr. Dabei soll es ziemlich einfach sein, den Rechner stromsparender zu konfigurieren, ohne Leistungseinbußen befürchten zu müssen.

In der ersten Studie seiner Art untersuchte das LawrenceBerkeley National Laboratory (abgekürzt Berkeley Lab) den Stromverbrauch von Gaming-PCs. Dabei fanden die Forscher heraus, dass Gamer über 75 Prozent Energie einsparen können. Hierfür müssten sie an ihrem Spielerechner nur einige Einstellungen ändern und Komponenten tauschen – sogar die Zuverlässigkeit und Leistung soll sich dadurch verbessern. Die Studie im englischen Original finden Sie hier als PDF.

Gaming-PCs: Wahre Stromfresser

Laut der Studie bedeutet dieser Minderverbrauch von 75 Prozent ein Ersparnis von satten 18 Milliarden US-Dollar oder 120 Terawattstunden (TWh) bis zum Jahr 2020, was rund vierzig 500-Megawatt-Kraftwerken entspräche, die dann nicht gebaut werden müssten. Dabei machen Spiele-PCs nur rund 2,5 Prozent aller weltweit installierten Computer aus, allerdings beanspruchen sie 20 Prozent des Energieverbrauchs. Weiterhin besagt die Studie, dass ein typischer Gaming-PC etwa 1.400 Kilowattstunden (kWh) verbraucht, oder bildlicher gesprochen: sechsmal mehr als ein typischer PC und zehnmal mehr als eine Spielekonsole. Insbesondere beim Spielen wird der Rechner übermäßig beansprucht.

So viel Leistung wie geht - doch in der Regel zu Lasten des Stromverbrauchs. Gaming-PCs wie dieser lassen sich laut der Studie auch energieeffizienter bauen, wenn man auf entsprechende Hardware setzt.
Vergrößern So viel Leistung wie geht - doch in der Regel zu Lasten des Stromverbrauchs. Gaming-PCs wie dieser lassen sich laut der Studie auch energieeffizienter bauen, wenn man auf entsprechende Hardware setzt.

Wachsender Markt für Spielerechner

Hinzu kommt, dass der Markt für Konsolen immer weiter schwindet, während er für Gaming-PCs in die Höhe schießt. Der Forscher Evan Mills schätzt, dass im Jahr 2012 Gaming-PCs weltweit 75 TWh Strom verbrauchten, was rund 10 Milliarden US-Dollar entspricht. Bis zum Jahr 2020 soll sich dieser Verbrauch verdoppeln, wenn die Verkäufe weiterhin so stark ansteigen, ohne dass sich dabei die Effizienz der Hardware verbessert. „Weltweit gibt es aktuell rund eine Milliarde Gamer. Und die Demografie ist sehr vielfältig: Davon sind viele Frauen, während das Durchschnittsalter 31 Jahre beträgt. Und die Popularität dieser riesigen Desktop-Gaming-Computer wächst schnell.“, so Mills.

Energiesparen am Gaming-PC soll leicht sein

Evan meint, dass die mangelnde Energiebewertung der Hauptgrund ist, warum Gamer ihre Systemenicht effizienter bauen. Und auch die Angaben der Hersteller sind oft falsch, wie die Forscher nach Untersuchungen feststellten: Grafikprozessoren verbrauchten mitunter das Fünffache als angegeben. Auch gab es nur eine geringe Korrelation zwischen Leistung und Stromverbrauch: GPUs mit hoher Leistungsfähigkeit verbrauchten oft weniger Strom.

Im oberen Balkendiagramm vergleichen die Forscher die verbesserten PCs, indem sie schrittweise die Komponenten austauschten (von links nach rechts): Der erste PC erhielt ein effizienteres Netzteil (Corsair AX760 mit 80-Plus-Platin-Zertifizierung), der zweite zusätzlich eine effizientere Grafikkarte (Zotac GTX 970 AMP! Omega Edition), der dritte zusätzlich die Kombination aus effizienterem Mainboard und CPU (Asus Sabertooth Z97 Mark I und Intel Pentium G3258) und der vierte Computer nutzte einen anderen Monitor (Asus VG248QE). Das Ergebnis war, dass der PC stets die gleiche Spiele-Leistung (in Bilder pro Sekunde, FPS) an den Tag legte, dafür aber weitaus energiesparender arbeitete.
Vergrößern Im oberen Balkendiagramm vergleichen die Forscher die verbesserten PCs, indem sie schrittweise die Komponenten austauschten (von links nach rechts): Der erste PC erhielt ein effizienteres Netzteil (Corsair AX760 mit 80-Plus-Platin-Zertifizierung), der zweite zusätzlich eine effizientere Grafikkarte (Zotac GTX 970 AMP! Omega Edition), der dritte zusätzlich die Kombination aus effizienterem Mainboard und CPU (Asus Sabertooth Z97 Mark I und Intel Pentium G3258) und der vierte Computer nutzte einen anderen Monitor (Asus VG248QE). Das Ergebnis war, dass der PC stets die gleiche Spiele-Leistung (in Bilder pro Sekunde, FPS) an den Tag legte, dafür aber weitaus energiesparender arbeitete.
© Evan Mills / Berkely Lab

Zusätzlich bauten die Forscher auch insgesamt fünf Gaming-PCs, die sie schrittweise um effizientere Komponenten ergänzten (siehe obere Abbildung für genauere Angaben). Sie nutzten industrielle Protokolle, um die Leistung und den Energieverbrauch zu messen. Den Forschern gelang es, bis zu 50 Prozent Energie einzusparen, während die Leistung im Wesentlichen unverändert blieb. Weitere Einsparungen wurden durch Betriebseinstellungen für bestimmte Teile erreicht, was zu einer Gesamteinsparung von 75 Prozent führte. „Die Quintessenz ist, dass Gamer keine Leistungseinbußen befürchten müssen, wenn sie Energie sparen möchten“, schließt Mills die Ergebnisse ab. „Tatsächlich arbeiten effiziente System kühler und leiser, was auch im Sinne der Spieler ist.“.

Greening the Beast: Hilfe beim Bau von effizienteren Gaming-PCs

Auf die Studie kam der Mills, als sein Sohn Nathaniel Mills sich einen Spielerechner bauen wollte. Sie entschieden sich – wie rund ein Drittel aller Gamer – den Computer selbst zusammenzubauen. Während der Suche nach der Hardware entschieden sie sich mangels der Angabe von Leistungsklassen, den Energieverbrauch des Systems selbst zu protokollieren – die Stromrechnung sollte Auskunft über einen Anstieg des Stromverbrauchs geben. Bereits der Austausch der LEDs innerhalb des Computers sorgte für eine signifikante Senkung der Stromrechnung. Doch sobald es ans Spielen ging, verdampften diese Einsparungen augenblicklich. Deshalb riefen er und sein Sohn die Webseite Greeningthebeast.org ins Leben, um der Gaming-Gemeinschaft einen Anstoß zu geben, effizientere Systeme zu bauen.

Greeningthebeast.org will helfen, energieeffizientere PCs zu bauen.
Vergrößern Greeningthebeast.org will helfen, energieeffizientere PCs zu bauen.
© Greeningthebeast.org
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