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Erstmals komplette PC-Plattform von AMD

19.11.2007 | 13:24 Uhr |

AMD will erstmals die Früchte seiner teuren Übernahme von ATI Technologies ernten. An die Geschwindigkeit der neuesten Intel-Chips kommt der kleinere Rivale aber bei weitem nicht heran.

Advanced Micro Devices (AMD) kündigt heute mit "Spider" seine erste komplette Chip-Plattform für Desktop-Rechner an. Spider besteht aus einem neuen Mikroprozessor, einem Grafikbeschleuniger und einem Satz weiterer Chips, um die verschiedenen Komponenten eines PCs miteinander zu verbinden ("Chipset").

Grafikchips und Chipsätze hatte AMD im vergangenen Jahr mit der 5,4 Milliarden Dollar teuren Übernahme der kanadischen ATI Technologies zugekauft. Durch die Kontrolle aller drei Produkte (wie Intel sie schon lange hat) können die Designer des Unternehmens besser die Systemleistung steigern und gleichzeitig Preis und Energieverbrauch senken. Zukünftig will AMD CPU, GPU und Ergänzungsbausteine auf einem Chip kombinieren ("Fusion").

Bis es so weit ist, können vor allem Gamer und Multimedia-Fans ab Januar mit Spider bis zu vier Grafikkarten parallel betreiben ("CrossfireX"), um Software bei hoher Geschwindigkeit mit ultrarealistischen Bildern zu betreiben. Bislang unterstützen die meisten Systeme nur zwei Grafikkarten, die von ATI oder dessen Konkurrenten Nvidia geliefert werden.

Spider enthält zudem den "Phenom"-Prozessor mit vier Kernen auf einem Stück Silizium. AMD hatte dieses Design erstmals bei seinem im September eingeführten "Barcelona"-Opteron für Server eingeführt. Intel verkauft bislang nur sogenannte Quad-Core-Chips, die aus zwei Dual-Core-Prozessoren in einem gemeinsamen Package bestehen.

AMD seinerseits hat mit technischen Problemen bei der Produktion der neuen Chips zu kämpfen, die in einem Prozess mit Strukturbreiten von 65 Nanometer gefertigt werden. Diese Probleme haben auch die Taktrate der Phenom-Prozessoren in Mitleidenschaft gezogen.

Beim AMD Phenom sitzen alle vier Kerne auf einem Stück Silizium.
Vergrößern Beim AMD Phenom sitzen alle vier Kerne auf einem Stück Silizium.
© 2014

Der in Sunnyvale, Kalifornien, ansässige Konzern wollte den Phenom ursprünglich in drei Modellvarianten mit bis zu 2,4 Gigahertz Taktung auf den Markt bringen. In der vergangenen Woche musste er dann einräumen, dass die High-end-Ausführung nicht vor Januar fertig wird (dann soll es auch einen Phenom mit 2,6 GHz geben). In dieser Woche kommen zunächst nur die Versionen mit 2,2 und 2,3 GHz heraus.

Leslie Sobon, AMDs Director of Product Marketing, erklärte gegenüber dem "Wall Street Journal", die Firma konzentriere sich zunächst auf die langsameren Modelle, weil sie davon bereits ausreichende Stückzahlen herstellen könne. "Das war einfach eine Geschäftsentscheidung, um das Volumen in diesem Quartal anzutreiben."

Schon getestet

Unsere Kollegen vom "TecChannel" haben wie gewohnt die neuen Prozessoren von AMD und Intel frühzeitig unter NDA erhalten und durch ihr Testlabor geschickt. Wenn Sie sich für die technischen Details interessieren, finden sie ihre Ergebnisse hier .

Intel hatte früher in diesem Monat für Gamer einen neuen "Core 2 Extreme" herausgebracht, dessen Taktung bei 3 GHz beginnt. Kelt Reeves hat als President des PC-Spezialherstellers Falcon Northwest die neuen Produkte beider Hersteller getestet und kommt zum dem eher vernichtenden Urteil, AMDs anfänglichen Phenoms seien "Welten entfernt" davon, mit Intels Leistung gleichzuziehen.

Das hat AMD laut Frau Sobon aber auch gar nicht vor - Spider ziele nicht auf Extrem-PCs für 3000 bis 4000 Dollar oder mehr, sondern solle ein breiteres Publikum ansprechen, dass für um die 1300 Dollar einen guten Spiele wolle.

AMD hat die Preise für die beiden ersten Phenoms bei 251 und 283 Dollar angesetzt, verglichen mit 999 Dollar für Intels jüngste Spiele-CPU. Die ersten Abnehmer werde "Boutique"-PC-Bauer sein, laut Sobon werden namhafte Hersteller nicht vor Anfang kommenden Jahres Spider-Desktops offerieren.

Die neuen Grafikchips ("Radeon HD 3850" und "3870") von AMD sollen etwa die gleiche Leistung erbringen wie frühere ATI-Beschleuniger, aber deutlich weniger Strom verbrauchen. Sie sind wichtig für AMD, um einen absteigenden Trend für das frühere ATI-Geschäft hoffentlich wieder umzukehren.

Nach Angaben des spezialisierten Marktforschungsinstituts Jon Peddie Research kam Nvidia im dritten Quartal 2007 auf einen Marktanteil von 65 Prozent bei Desktop-GPUs im Vergleich zu 35 Prozent für AMD; im gleichen Zeitraum von zwei Jahren war das Verhältnis mit 50 zu 48 Prozent noch nahezu ausgeglichen gewesen.

Und AMD braucht das neue Business dringend. Für sein drittes Fiskalquartal hatte das Unternehmen einen Nettoverlust von 396 Millionen Dollar ausgewiesen und ist immer noch durch die Schulden aus der teuren AMD-Übernahme belastet. Am Freitag hatte es zur Verbesserung seiner Bilanz den Verkauf eines Unternehmensanteils von 8,1 Prozent an den Investment-Arm der Regierung von Abu Dhabi für 622 Millionen Dollar angekündigt. (tc)

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