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Londoner U-Bahn-Sprecherin verliert ihren Job

28.11.2007 | 16:15 Uhr |

Nicht immer, führt ein eigener Fehler dazu, dass man den Job verliert. Emma Clarke, die Stimme, die alle kennen, die bereits mit der Londoner U-Bahn gefahren sind, hat ihren Job verloren, weil sie ins Visier der Presse geraten ist. Alles begann mit lustigen U-Bahn-Durchsagen, die sie auf ihrer Website veröffentlicht hatte.

Emma Clarke hat mit ihrer Stimme bereits viele Preise gewonnen, besitzt eine eigene Website und war – bis vor kurzem - die „Stimme“ der Londoner U-Bahn.

Auf Ihrer Website finden sich einige der U-Bahn-Durchsagen , als Arbeitsproben für potentielle Arbeitgeber. Zum Beispiel das berühmte „Mind the gap“, welches tagtäglich zig Male in der "Tube" ertönt oder das „Let customers off the train first please”. Diese Ansagen können als MP3-Dateien herunter geladen werden.

Auf Ihrer Website finden sich aber auch Durchsagen, die Emma Clarke einfach so zum Spaß gemacht hat und die ebenfalls zum Download bereit stehen. Da warnt sie beispielsweise vor einem Notfall - weil sie sich gerade einen Nagel angeschnitten hat. Oder die Fun-Durchsage, die sich an US-Besucher richtet und diese darauf hinweist, dass sie zu laut in der U-Bahn sprechen. Oder eine andere Durchsage, bei der ein Passagier zurecht gestutzt wird, der nur so tut, als ob er die Zeitung liest, aber stattdessen auf die Brust der Frau gegenüber starrt.

Allesamt nicht sonderlich witzige Durchsagen, die ihren Pfiff nur durch die Stimme erhalten, die sie spricht. Einer Stimme, die man sonst nur von so ernsten Durchsagen wie eben „Mind the gap“ kennt, wenn man tagtäglich mit der Londoner U-Bahn fährt. Durchsagen eben, die man von dieser Stimme nicht erwarten würde und die so für ein Schmunzeln sorgen. Und das sollten die im Web verfügbaren Spaß-Durchsagen auch bezwecken: Den Besuchern der Website Freude bereiten.

Doch genau diese Spaß-Durchsagen wurden Emma Clarke nun zum Verhängnis und sorgten für ihre Entlassung. Eine britische Zeitung war auf die Spaß-Durchsagen auf der Website gestoßen. Prompt bat man Clarke um ein Interview. In diesem Interview sagte Clarke dem Journalisten, dass sie ihre Stimme nicht möge, wenn sie aus den Lautsprechern der U-Bahn ertöne.

Das alles gab wohl nicht viel her für eine reißerische Geschichte in der britischen Boulevard-Zeitung „Mail on Sunday“, so dass sich die Zeitung eine eigene Geschichte strickte. Da war plötzlich davon die Rede, dass Clarke gesagt habe, dass sie die Londoner U-Bahn nicht möge. Und da war plötzlich von den Downloads die Rede, die Clarke auf ihrer Website anbietet und mit denen sie sich - so die Zeitung - über die Fahrgäste der U-Bahn lustig mache.

Genau diese Story griffen auch andere britische Publikationen auf. Dann folgten europäische Medien, inklusive deuterscher Publikationen und schließlich auch der Rest der Welt-Presse. Mit solchen „Tatsachen“ konfrontiert, sprachen die Betreiber der Londoner U-Bahn, Transport of London, schließlich Clarke die Kündigung aus.

Auf der offiziellen Website von Emma Clarke meldet sich nun, nachdem das ganze Presse-Tamm-Tamm der vergangenen Tage sich endlich zu beruhigen scheint, deren Website-Betreuer zu Wort: „Wieso hat Transport of London geglaubt, was in der Zeitung steht, ohne es vorher mit Emma abzuklären?“ Es wird auch auf eine Gruppe bei dem Online-Dienst Facebook hingewiesen, die sich gebildet hat, um mitzuhelfen, dass Emma Clarke ihren Job bei der Londoner U-Bahn wieder zurückerhält.

Immerhin muss sich Emma Clarke nicht um ihre Zukunft sorgen. Bereits in der Vergangenheit war sie mit ihrer Stimme auch als Synchronsprecherin und in der Werbebranche tätig. Der Medien-Rummel könnte nun zumindest einen positiven Effekt haben: Werbung für ihre Stimme und damit neue Jobs. Angebote soll sie bereits haben.

Sie wäre aber noch heute die „Stimme“ der Londoner U-Bahn, hätten die Medien sie nicht als Opfer auserkoren…

http://www.emmaclarke.com/

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