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Sparkassen-Dienstleister IZB muss ohne Sparkassen planen

25.01.2007 | 11:08 Uhr |

Der Rechenzentrumsbetreiber will Genossenschaftsbanken und mittelständischen Kunden Outsourcing-Dienste anbieten.

Die IZB, als einstige Tochter des süddeutschen Sparkassen-IT-Dienstleisters IZB Soft auf den Rechenzentrumsbetrieb spezialisiert, muss sich neu orientieren. Mit der Übernahme der früheren Muttergesellschaft durch die westdeutsche Sparkassen Informatik (SI) gab es im neuen Sparkassen-Verbund ein Überangebot an Betriebsleistungen für Rechenzentren, Server und Endgeräte (siehe auch " IZB Soft stolpert in die Fusion ). Die künftige Arbeitsteilung sieht so aus, dass die IZB ihre Sparkassen-Kunden an die SI abgibt, und sich auf die übrigen Finanzdienstleister innerhalb des öffentlich-rechtlichen Bankenverbunds also etwa Bausparkassen und Landesbanken konzentriert. "Mit dem Weggang der Sparkassen-Kunden ist ein Umsatzrückgang unvermeidlich", räumte Walter Kirchmann, Geschäftsführer der IZB, gegenüber der COMPUTERWOCHE ein.

Wichtiger Bestandteil des Service-Portfolios der IZB sind Rechenzentrum-Services sowie der Server-Betrieb. (Quelle: IZB)
Vergrößern Wichtiger Bestandteil des Service-Portfolios der IZB sind Rechenzentrum-Services sowie der Server-Betrieb. (Quelle: IZB)
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Zurzeit beschäftigt der RZ-Betreiber rund 630 Mitarbeiter und erzielt mit ihnen einen Jahresumsatz von 190 Millionen Euro. Wie stark die Einnahmen unter der Neuregelung leiden, ist noch nicht absehbar. Einen Teil der Ausfälle hofft Kirchmann durch neue Kunden ausgleichen zu können. Ungeklärt ist bis dato, ob die neue Muttergesellschaft SI die Bausparkassen und Landesbanken im Westen Deutschlands, die sie bislang mit IT-Diensten versorgt hat, im Gegenzug der IZB überlässt. Sollte dies nicht der Fall sein, kann die IZB allenfalls noch im Norden und Osten um Kunden aus dem öffentlich-rechtlichen Sektor werben. Dort muss sie sich allerdings mit der fest im Sparkassen-Verbund verwurzelten Finanz IT auseinander setzen.

Nicht minder ehrgeizig sind die Ziele in den weiteren Kundengruppen, die die IZB im Auge hat. Zum einen wären das kleine und mittelgroße privatwirtschaftliche Banken sowie Finanzinstitute aus dem genossenschaftlichen Bankensektor. Doch im letzteren Segment stößt die IZB auf enge Geschäftsverbindungen zwischen Kunden und IT-Dienstleister. Ähnlich wie bei den Sparkassen, die nach streng geografisch definierten Grenzen entweder von der SI oder Finanz IT versorgt werden, gibt es mit der GAD und der Fiducia nur noch zwei IT-Dienstleister. Deren Gesellschafter sind die genossenschaftlichen Banken und Finanzdienstleister (Volks- und Raiffeisenbanken, R+V Versicherung, Schwäbisch Hall, Union Invest), die zugleich IT-Services von GAD und Fiducia beziehen. Auch im Wettbewerb um privatwirtschaftliche Bankenkunden stößt die IZB auf starke Konkurrenz. Accenture, IBM, T-Systems und Siemens IT Solutions and Services (SIS, vormals SBS) können auf Referenzkunden, jahrelange Erfahrungen und effiziente Abläufe verweisen.

Die dritte künftige Zielgruppe der IZB sind IT-Anwender mittlerer Größe, die über ein eigenes IBM-Rechenzentrum verfügen. "Wir kennen die Marktpreise derartiger Services und wissen um die Kosten des Selbstbetriebs", gibt sich Kirchmann zuversichtlich. Viele Kunden stehen seiner Einschätzung zufolge vor einer Make-or-buy-Entscheidung, weil Investitionen erforderlich sind und die Ressourcen an Mitarbeitern mit Know how im Großrechnerbetrieb schwinden. Der zunehmende Bedarf an hoher Verfügbarkeit und durchgehender Betreuung sowie die neuen Anforderungen durch gesetzliche Vorgaben wie Basell 2 verstärke die Bereitschaft zum Outsourcing der Rechenzentren. "Anders als unsere großen Wettbewerber verhandeln wir mit den Kunden auf Augenhöhe. Außerdem streben wir Aufträge in einer Größenordnung an, die für die großen Service-Provider uninteressant ist und für deren Abwicklung kleine Anbieter nicht die erforderliche Infrastruktur unterhalten", wirbt der IZB-Chef.

Die IZB wird dazu Dienstleistungen in vier Produktfamilien offerieren. Das sind TK-Dienste (überregionale Vernetzungservices und verwaltete Kommunikationsinfrastrukturen), Mainframe-Services (Rechenzentrumsbetrieb, Vorsorge für den Katastrophenfall), Open-Systems-Services (Betrieb von Windows und Unix-Servern) sowie Desktop-Services, zu denen die Betreuung von Endgeräten, Helpdesk und VoIP-Installationen zählen. In diesen vier Bereichen können die Kunden entweder selektiv einzelne Dienste oder aber komplette IT-Bereiche an das IZB Informatik-Zentrum auslagern. Zudem lassen sich die einzelnen Bausteine modular miteinander verknüpfen.

Bislang ereichten die Erfolge der IZB am externen Markt bescheidene Ausmaße. Mit der Neustrukturierung und der Übernahme durch die SI steigt die Quote des nicht kaptiven Geschäfts von bislang zehn auf nun 45 Prozent. Das liegt vornehmlich an der veränderten Gesellschafterstruktur: Die IZB ist mittlerweile eine 100-prozentige SI-Tochter, zuvor waren noch die Hessische Landesbank und die Bayerische Landesbank beteiligt. "Die Verträge mit unseren Kunden unterliegen den Marktgesetzen, außerdem haben sich mit der Übernahme die Governance-Strukturen verändert", wehrt Kirchmann den Einwand ab, der sprunghafte Anteil der im externen Geschäft erzielten Einnahmen sei lediglich Zahlenkosmetik geschuldet. "Wir müssen konkurrenzfähig sein und uns darauf konzentrieren, wie wir uns am Markt vom Wettbewerb abgrenzen können."

In jedem Fall stehen den Sparkassen-Dienstleistern raue Zeiten ins Haus, zumal auch ihre Kunden, also die Finanzdienstleister, zum Sparen angehalten sind. Einem aktuellen Bericht des "Handelsblatt" zufolge erwarten die Sparkassen deutlich geringere Kosten und prüfen deshalb den Abbau von Arbeitsplätzen. Das dürfte nicht ohne Auswirkung auf die IT-Töchter bleiben. Für die IZB ist daher Erfolg im externen Geschäft besonders wichtig. Kirchmann rechnet derzeit noch mit einer Schonfrist von zwei Jahren. "In den vergangenen Jahren ist unser Mitarbeiterstamm stetig gewachsen. Ab 2009 müssen wir uns an der Marktentwicklung orientieren", kündigte er an. (jha)

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