13.07.2011, 15:16

Frank Ziemann

Spam spricht Deutsch

Illegale Jobangebote und Packstation-Phishing

Spammer geben sich inzwischen mehr Mühe ihre Zielgruppen auch in der jeweiligen Landessprache anzusprechen. Waren die meist deutschsprachigen Spam-Mails früher schwer verständliche Produkte maschineller Übersetzung, sind sie heute fast fehlerfrei. Das erhöht vor allem bei Phishing-Angriffen die Erfolgsaussichten.
Englisch ist die Verkehrssprache des Internet und auch die meisten Spam-Mails, die hierzulande die Mailbox fluten, sind in dieser Sprache verfasst. Doch Spammer haben längst erkannt, dass lokalisierte Mails wesentlich bessere Rücklaufquoten versprechen. Jahrelang radebrechten sie mit Hilfe maschineller Übersetzungen, dass es einem beim Lesen grauste. Doch immer häufiger finden sich Spam-Mails in nahezu fehlerfreiem Deutsch darunter.
Das Berliner Sicherheitsunternehmen eleven hat etliche Spam-Mails untersucht. Frank Rickert berichtet im eleven Security Blog, besonders Phishing-E-Mails und illegale Job-Angebote als Geldwäscher seien inzwischen recht professionell eingedeutscht. Das höchste Aufkommen haben derzeit Casino-Spams, die wenig Text enthalten und daher einfacher lokalisierbar sind. Auch die Online-Casinos selbst bieten längst viele Sprachen zur Auswahl.
Speziell für eine deutsche Zielgruppe erstellte Spam-Mails sind eine größere Herausforderung. So suchen Online-Kriminelle weiterhin Geldwäscher ("Money Mules"), die ihnen helfen das ergaunerte Geld rein zu waschen. Diese Mails weisen mittlerweile alle Elemente und Floskeln auf, die man auch aus seriösen Stellenanzeigen kennt. Die eigentliche, strafbare Betätigung der Angeworbenen wird hinter Begriffen wie "Testeinkäufer" oder "Kurier" verborgen.
Phishing-Angriffe waren immer leicht daran zu erkennen, dass eine deutsche Bank keine Mails auf Englisch oder in vor Fehlern nur so strotzendem Deutsch senden würde. Ziel aktueller Phishing-Kampagnen sind Kunden der Sparkassen und der DHL-Packstationen. Die Mails zum Abgreifen der Zugangsdaten für Packstationen  zeigen, dass sich die Online-Kriminellen in Deutschland auskennen. Dass die Mails aus Osteuropa kommen, verraten gelegentlich eingestreute kyrillische Zeichen. Sie können durch technische Fehler bei der Kodierung der Mails entstehen.
Wo es mit der Sprache hapert, helfen bunte Bilder weiter. Die Mails und Formulare werden durch Logos der betreffenden Unternehmen verziert. Ganze Sätze sind bei Formularen nicht so wichtig, sodass sich kaum Grammatikfehler einschleichen können. Wo immer möglich, werden einfach Formulierungen, Sätze und ganze Textpassagen aus den Originalseiten der Unternehmen kopiert.
Fazit:
Die Spammer werden immer besser, was die Nutzung der deutschen Sprache betrifft. Für die Empfänger der Mails wird es damit nicht einfacher Spam von seriösen Mails zu unterscheiden. Spam-Filter, die mehr auf technische Merkmale der Mails abstellen, lassen sich von fehlerfreiem Deutsch jedoch nicht beeindrucken.
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