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Sony-Klagen: Online-Händler Lik Sang schließt seine Pforten

25.10.2006 | 09:28 Uhr |

Spiele-Fans, die Import-Spiele oder -Konsolen gerne bei Lik Sang aus Hongkong bestellt haben, müssen sich nach einem neuen Händler umsehen, denn das Unternehmen schließt seine Pforten. Als Grund werden die Klagen von Sony gegen Lik Sang wegen des Exports von PSP-Konsolen nach Europa angegeben. In einer Mitteilung attackiert das Unternehmen Sony äußerst scharf.

Seit gestern nimmt der Online-Spielehändler Lik Sang aus Hongkong keine Bestellungen mehr an, das Unternehmen macht dicht. Einen Schuldigen hat die Firma bereits parat: Sony. Diverse Klagen gegen den Händler, unter anderem wegen des Exports von PSP-Konsolen nach Europa ( wir berichteten ), hätten das Unternehmen dazu bewogen, das Geschäft komplett einzustellen.

In der offiziellen Mitteilung zur Schließung des Betriebes attackiert Lik Sang Sony in ungewöhnlich scharfer Art und Weise. Zunächst wird auf den Vorwurf eingegangen, dass Sony Importe der PSP unterbinden will, da nicht gesichert sei, dass die Geräte den jeweiligen Sicherheitsvorschriften der Länder (England/Deutschland) entsprechen. Lik Sang kontert, dass alle verkauften PSP-Konsolen mit originalen 100V-240V-Netzadaptern ausgeliefert wurden, die mit CE-Kennzeichen versehen waren und weltweit kompatibel sind. Damit hätten die verschickten Konsolen den Vorschriften in der EU entsprochen, so Lik Sang.

Auch gegen Sony selbst wettert das Unternehmen und plaudert aus dem Nähkästchen. So wundert sich der Händler über die Doppelmoral des Konzerns, beziehungsweise einiger seiner Mitarbeiter. Denn laut Lik Sang hätten nicht nur Spieler aus über 100 Ländern Soft- und Hardware geordert, sondern auch Top-Manager von Sony Europe, die bereits zwei Tage nach dem offiziellen Start der PSP in Japan Konsolen über Lik Sang geordert haben. Dabei veröffentlicht das Unternehmen widerrechtlich auch die Namen der jeweiligen Manager.

Der letzte Punkt wirft dabei eine Reihe von Fragen auf, denn es wirkt in der Tat sonderbar, dass Top-Manager eines Unternehmens den Umweg über einen Import-Händler gehen, um an ein Produkt aus dem eigenen Haus zu gelangen. Das Branchenmagazin Gamesindustry berichtet in diesem Zusammenhang, dass die von Lik Sang namentlich genannten Manager die Bestellungen lediglich zu Untersuchungszwecken durchgeführt haben. Des Weiteren weist Sony laut Magazin jeden Zusammenhang mit der Schließung von Lik Sang zurück. So seien keine Zahlungen, die Sony aus dem gewonnenen Prozess in London zugesprochen worden, geleistet worden.

Lik Sang hingegen befürchtet etwas theatralisch "das Ende der Welt, wie wir sie kennen" und meint damit, dass Kunden künftig nicht mehr die Wahl haben werden, wo sie ihre Waren bestellen, sondern darauf warten müssen, bis Unternehmen ihre Produkte auf den jeweiligen Märkten in den Handel bringen. Sony hingegen vermutet laut Gamesindustry, dass Lik Sang derzeit "die beleidigte Leberwurst" spielt und die Schuld auf Sony schieben will.

Lik Sang will nun eigenen Angaben zufolge alles unternehmen, dass Kunden, die Waren bestellt und bereits bezahlt haben, sowie laufende Verfahren wie Reklamationen, problemlos abgewickelt werden und Anwender ihr Geld zurück erhalten.

Die wahren Gründe für das Ende von Lik Sang sind im Endeffekt nicht bekannt, es steht Aussage gegen Aussage. Festzuhalten bleibt aber, dass Sony es geschafft hat, einem Händler den Export einer Ware (PSP) zu verbieten. Dabei sollte es doch auch den Kunden erlaubt sein, die Vorteile der Globalisierung zu nutzen, sprich: Dort zu kaufen, wo es aus seiner Sicht am günstigsten ist. Und wenn ein Anwender sich mit Problemen wie Garantie, Zoll oder Lieferkosten herumschlagen will, dann sollte dies im Grunde seine Sache sein. Niemand käme ja auf die Idee, ein Unternehmen zu verklagen, weil es in Ländern produziert, wo es am günstigsten ist.

Was meinen Sie zu diesem Thema? Finden Sie die Vorgehensweise von Sony (oder anderen Unternehmen), Grauimporte zu unterbinden, in Ordnung, oder sollte der Kunde selbst entscheiden, wo er kauft. Natürlich mit allen positiven wie negativen Folgen, mit denen er sich dann herumschlagen muss - Stichwort Garantie?

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