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Software sucht vermisste Kinder

01.02.2001 | 17:08 Uhr |

Mit einer speziellen Software will die Kasseler Firma Cobion vermisste Kinder im Internet etwa auf Pornoseiten aufspüren. Ab heute wird nach drei vermissten Mädchen gefahndet, bis Jahresende soll die Suche auf 36 seit mehreren Jahren vermisste Kinder ausgedehnt werden.

Mit einer speziellen Software will die Kasseler Firma Cobion vermisste Kinder im Internet etwa auf Pornoseiten aufspüren. Cobion-Sprecherin Marina Klubescheidt teilte mit, für die "Elterninitiative vermisste Kinder" aus Kisdorf (Schleswig-Holstein) habe heute die Suche nach drei vermissten Mädchen begonnen.

Seit Ende Dezember sucht die Firma bereits im Auftrag einer schweizerischen Initiative nach mehreren vermissten Kindern, bislang noch ohne Erfolg.

Vorgesehen sei, ein europäisches Netzwerk von Elternverbänden kostenlos mit der von der Firma entwickelten Bildersuchmaschine für das Internet zu unterstützen. Die nach Angaben der Firma einzigartige Technik ermöglicht es, nahezu das gesamte Internet automatisch nach Abbildungen zu durchsuchen.

Bis April solle die Suche auf weitere sechs Kinder ausgedehnt werden, um deren Auffinden sich die Organisation "Hänsel und Grethel" in Augsburg und das Rote Kreuz in Dortmund bemühen. Bis Jahresende solle nach insgesamt 36 seit mehreren Jahren vermissten Kindern gesucht werden.

Bei der Internet-Fahndung werden Bilder der Kinder in die Suchmaschine eingelesen, um diese nach gesichtsspezifischen Kriterien "anzulernen" und mit mathematischen Verfahren der Mustererkennung zu definieren. Je mehr Bilder vorliegen, desto einfacher ist es für die Software, sich das jeweilige Konterfei "einzuprägen".

Der Abgleich und die Erkennung mit den unzähligen im Internet befindlichen Bildern erfolgt vollautomatisch. Dabei sollen nicht nur die eingelesenen Fotos, sondern auch Bilder aufgefunden werden, die das Kind gealtert oder mit einer anderen Kopfhaltung zeigen.

Eltern verschwundener Kinder warnte die Sprecherin der "Elterninitiative vermisste Kinder", Monika Bruhns, im DeutschlandRadio Berlin, dass die neue Internet-Suchmaschine zwar Hoffnung aber keine Garantie geben könne. Bruhns hofft auf die Vorbildwirkung der Aktion, die bisher von der Herstellerfirma finanziert wird: "Da wir ehrenamtlich arbeiten, hätten wir keinerlei finanzielle Mittel dafür aufwenden können." Die Aktion müsse ein Anstoß für Behörden sein, die Technologie langfristig auch zu nutzen.

Zum Einsatz kam die Kasseler Bildersuchmaschine bislang bereits bei der Suche nach missbräuchlich verwendeten Firmenlogos oder gefälschten Medikamenten. Das Verfahren kann aus dem Internet auch Seiten etwa mit pornografischen oder rechtsradikalen Abbildungen herausfiltern. (PC-WELT, 01.02.2001, dpa/ mp)

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