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Netscape-Entwickler unterstützt Facebook-Browser

16.08.2009 | 15:34 Uhr |

Marc Andreessen, Entwickler des in der zweiten Hälfte der 1990er populären Browsers Netscape, hat sich finanziell hinter das Start-up RockMelt gestellt. Dieses will den Browser-Markt mit einer Neuentwicklung aufmischen, berichtet die New York Times. Insbesondere strebt man offenbar an, den neuen Browser speziell auf das moderne, dynamische Web auszulegen und dadurch etablierten Marktgrößen wie dem Internet Explorer oder Firefox den Kampf anzusagen.

"Es gibt alles mögliche, das man anders lösen würde, wenn man einen Browser von Grund auf entwickelt", sagt Andreessen. Gerüchten zufolge wird es auch eine spezielle Verbindung des Browsers zu Facebook geben. Wie Andreessen andeutet, soll der neue Browser der Entwicklung des einst statischen Webs zum modernen Web mit seinen dynamischen Seiten und Anwendungen in einer Art Rechnung tragen, wie es etablierte Browser kaum können. Was Details betrifft, hält man sich bei RockMelt aber noch bedeckt. "Wir befinden uns in einem sehr frühren Entwicklungsstadium", sagt Unternehmens-Mitgründer Eric Vishria. Spekuliert wird jedenfalls darüber, dass der RockMelt -Browser eine spezielle Anbindung an die Social-Networking-Seite Facebook haben könnte, bei der Andreessen dem Vorstand angehört. Eine inzwischen offline genommene Datenschutzrichtlinie soll besagt haben, dass durch ein Log-in mit der eigenen Facebook ID Updates auf der Social-Networking-Seite omnipräsente Surfbegleiter werden.

Eine Facebook-Anbindung des neuen Browsers allein wäre noch keine allzu spektakuläre Neuerung, da mit dem Mozilla-basierten Flock bereits ein Social-Networking-Browser existiert. Freilich ist denkbar, dass RockMelt auch in der Gesamtgestaltung seines Browsers von den bei derzeit verbreiteten Browsern vorherrschenden Entwicklungsparadigmen abgeht. Immerhin arbeitet Google mit Chrome OS an einem Projekt, das offenbar Browser und Betriebssystem auf neue Art verbinden wird. Auch Microsoft hat im Frühjahr mit "Gazelle" einen experimentellen Webbrowser vorgestellt, dessen Aufbau sich fundamental von dem des Internet Explorer unterscheidet.

Für den Browsermarkt könnte ein von Andreessen unterstütztes Projekt jedenfalls interessant sein. Sein erster Browser, der Ende 1994 veröffentlichte Netscape Navigator, war Mitte der 1990er immerhin Marktführer, ehe es nach einem verlorenen Browserkrieg mit dem Internet Explorer (IE) Ende des Jahrtausends zum Niedergang des Klassikers kam. Der Quellcode des Browsers bildete 1998 auch die Basis für das Mozilla-Projekt, aus dem letztendlich der Firefox-Macher Mozilla Foundation hervorgegangen ist. Allerdings hat sich anhand von Googles Chrome gezeigt, dass es heute nicht leicht ist, sich mit einem neuen Produkt auf dem Markt zu etablieren - trotz des Rückhalts des Suchriesen liegt Chrome in aktuellen Statistiken verschiedener Anbieter bei einem Markanteil von um oder unter drei Prozent.

Zum offiziellen Ende des Browsers Netscape selbst kam es erst mit 1. März 2008. Allerdings war er unter AOL-Obhut längst zu relativer Bedeutungslosigkeit verkommen und die finale Version 9 ein Ableger des damals aktuellen Firefox 2.0. (pte)

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