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Knabbert am Marketing-Budget

25.09.2010 | 15:29 Uhr |

Unternehmen verstehen Social Media in der Kommunikation noch viel zu oft als Risiko. Dabei sollte der Einsatz von Twitter und Co als Chance gesehen werden, wie Volker Smid, Chef von HP in Deutschland, im Rahmen einer Diskussion beim Kommunikationskongress in Berlin betonte.

Um neue Stellen für die Betreuung der Social-Media-Aktivitäten zu schaffen, könnte etwa beim Marketing gespart werden. Social Media könne dann auch bei klassischen Brandingkampagnen eingesetzt werden. "Bei HP entfällt bereits die Hälfte des Budgets für eine Marketingkampagne auf Social Media", so Smid. Die gesamte Unternehmenskultur müsse auf die neuen Kommunikationsmöglichkeiten ausgerichtet werden. Bei HP hätten viele Abteilungen eigene Blogs und Social-Media-Accounts, die keiner zentralen Steuerung unterliegen. Durch den Einsatz von Support-Communitys oder Kundenforen ließe sich z.B. die Kundenkommunikation verbessern. Auch bei der internen Kommunikation seien längst Messenger oder Wikis gefragt. An einen Kontrollverlust müsse man sich gewöhnen, sagte Smid. Allerdings gebe es gewisse Regeln darüber, welche Informationen Mitarbeiter nach außen kommunizieren dürften.

Ein eigener Account bei Facebook oder Twitter birgt für den Chef eines Unternehmens aber auch Risiken, räumt Smid ein. Verunsicherte CEOs fragten sich oft: "Was sage ich?", "Kriege ich jetzt Tausende Freundschaftsanfragen von Mitarbeitern?" oder "Was passiert, wenn ich ein persönliches Statement abgebe?" Smids Tipp: "Das oberste Prinzip ist Authentizität. Es müssen allerdings auch hier ein paar Regeln beachtet werden." Auf Facebook etwa sei der Chef Privatmensch, müsse darauf achten, nicht nur als Sprachrohr seines Konzerns angesehen zu werden und Privates von Beruflichem zu trennen.

Während die IT-Branche in puncto Social Networks naturgemäß eine Vorreiterrolle eingenommen hat, ortet Carsten Knop, Redakteur Frankfurter Allgemeine Zeitung , in vielen Unternehmen noch eine "große Orientierungslosigkeit" was Twitter und Co angeht. Den rasant wachsenden Netzwerken müsse man sich auch in Zeitungsredaktionen stellen. Ein Beispiel: "Durch das Kontrollieren des Nachrichtenstroms auf Twitter werden bei der FAZ regelmäßig Geschichten generiert", so Knop. Zur Beruhigung für die klassische Unternehmenskommunikation: "Pressesprecher sind aber gerade in diesen Zeiten als verlässliche Stimme wichtige Ansprechpartner für die Presse."

(pte)

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