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So viel verbraucht Ihr Auto wirklich

12.04.2013 | 12:33 Uhr |

Wie viel Kraftstoff verbraucht mein Auto tatsächlich? Und wie groß ist der Unterschied zu der Herstellerangabe? Der Auto Club Europa ermittelte die Differenz im Praxistest für eine Reihe von Autos von verschiedenen Herstellern. Das Ergebnis: Echte Sparschweine und hemmungslose Schluckspechte.

Fast jeder Autofahrer dürfte wissen, dass der von den Auto-Herstellern für ihre Fahrzeuge angegebene Kraftstoffverbrauch nicht dem tatsächlichen Verbrauch entspricht. Sondern dass die Verbrauchsangaben nach der ECE-Norm (Economic Comission for Europe – der seit 1996 geltende sogenannten „Neue Europäischen Fahrzyklus“) rein theoretischer Natur sind, nur unter Laborbedingungen mit einem praxisfernen Fahrzyklus ermittelt werden und der tatsächliche Verbrauch weit darüber liegt. Spannend ist es aber zu wissen, um wie viel der tatsächliche Verbrauch über den Angaben der ECE-Norm liegt.

Dieser Frage ging der Auto Club Europa (ACE) nach und überprüfte bei einer Reihe von Fahrzeugmodellen den Unterschied zwischen den Herstellerangaben und dem im Test tatsächlich ermittelten Verbrauch. Dabei zeigte sich, dass die Differenz je nach Hersteller und Modell durchaus unterschiedlich groß ausfallen kann.

Praxis-naher Test

Die überprüften 91 PKWs wurden unter Verkehrsbedingungen bewegt, die näher am Alltag liegen – ein grundlegender Unterschied zu den ECE-Verbrauchsangaben, die durchaus den Spitznamen „Märchennorm“ verdienen. Allerdings kann auch der ACE-Test nicht die Fahrbedingungen eines jeden Autofahrers berücksichtigen. Wer sein Fahrzeug also längere Zeit mit einer Geschwindigkeit von deutlich über 120 Kilometer bewegt (im ACE-Test fuhren die Testkandidaten nur maximal 120 km/h auf der Autobahn), kommt auf einen noch weit höheren Verbrauch, als ihn der ACE ermittelte.

Licht und Schatten

Einige Beispiele für den durch den ACE festgestellten Mehrverbrauch: Das kleine SUV Audi Q3 verbraucht laut den Ingolstädtern mit seinem 2,0-Liter-TDI-Motor nur 5,9 Liter. Laut ACE sind es jedoch satte 7,9 Liter – fast 34 Prozent mehr. Ein BMW 520d gönnt sich in der Realität 6,4 statt 4,7 Liter Diesel. Das sind rund 36 Prozent mehr.

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Aber nicht nur deutsche Premium-Fahrzeuge gönnen sich einen kräftigen Schluck aus der Pulle, auch der Kleinwagenhersteller Fiat fällt unangenehm auf: Der getestete Punto braucht 24,5 Prozent mehr als angegeben. Schaut man sich die getesteten Fahrzeuge an, so sieht man schnell, dass bei fast allen Herstellern positive und negative Beispiele für den Spritverbrauch vorliegen. Auch Citroens, Fords, Hyundais und Kias und können ganz schön viel Durst haben.

Hier klicken! So viel verbrauchen die Test-Fahrzeuge:

Alle Testergebnisse hier als PDF

Umgekehrt muss man aber betonen, dass es auch von Audi, BMW und Mercedes Testkandidaten gibt, die kaum mehr als vom Hersteller angegeben verbrauchten und sich somit durchaus genügsam zeigten – zumindest unter den Testbedingungen des ACE. Inwieweit sich Audi- und BMW-Fahrer in der Praxis mit Tempo 120 km/h auf der Autobahn zufrieden geben, sei einmal dahin gestellt…
Positiv fällt ausgerechnet ein Billigheimer auf: Der Dacia Lodgy verbraucht 2,4 Prozent weniger als vom Hersteller angegeben. Ähnlich erfreulich sind die Ergebnisse beim Renault Twingo und beim VW Tiguan.

Positiv: Vergleichsweise eng an den Herstellerangaben liegen generell Skoda, Honda und Mazda sowie Toyota und dessen Premiummarke Lexus. Wobei von dem japanischen Marktführer insgesamt aber nur drei Fahrzeuge getestet wurden, die zudem alle Diesel waren. Das könnte das Testergebnis zu Toyotas Gunsten etwas verzerren. Andererseits testete der ACE kein einziges Hybridfahrzeug von Toyota, was uns etwas mehrwürdig erscheint.

Bei Honda und Mazda wurde sogar immer nur ein Fahrzeug getestet – jeweils mit gutem Ergebnis. Die Gefahr eines verzerrten Gesamtbildes aufgrund einer geringen Anzahl an getesteten Modellen gilt natürlich auch umgekehrt: Von Volvo wurde ebenfalls nur ein einziges Fahrzeug überprüft, das mit fast 40 Prozent Mehrverbrauch ein verheerendes Ergebnis lieferte. Noch schlimmer erwischte es Mitsubishi – der einzige Testwagen schluckte 42 Prozent mehr als es die Herstellerangabe versprach.

Der europäische Marktführer VW lieferte im Test Licht und Schatten: Ausgerechnet der neue Kleinstwagen Up zeigte sich trinkfreudig, ebenso wie ein Golf-Diesel und ein Sharan – letzterer war ein regelrechter Schluckspecht. Der bereits erwähnt Tiguan dagegen glänzte, ein Benziner-Golf und ein Touran-Diesel lagen fast exakt an den Herstellerangaben.

Der Mehrverbrauch lag bei 55 Wagen teils deutlich über der Marke von zehn Prozent. Diese 10-Prozent-Grenze ist wichtig: Denn wenn ein Auto nachweislich mehr als zehn Prozent mehr verbraucht, als der Hersteller angibt, kann man den Autokaufvertrag bei einem Neuwagen anfechten. Voraussetzung dafür ist in aller Regel das Gutachten eines anerkannten Sachverständigen, der die besagte Verbrauchsdifferenz bestätigen muss.

So gehen Sie vor, wenn Ihr Neuwagen deutlich zu viel verbraucht

Sie haben den Verdacht, dass der Kraftstoffverbrauch Ihres Neuwagens mehr als zehn Prozent über der Herstellerangabe liegt? Dann empfiehlt der ACE diese Vorgehensweise:

  • Die im Auto-Alltag ermittelten oder vom Bordcomputer angezeigten Verbrauchswerte sind nicht „gerichtsrelevant“. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Auto zu viel verbraucht, sollten Sie zunächst bei einer längeren Fahrt – beispielsweise bei einem Wochenendausflug – eine Verbrauchsmessung durchführen, die in etwa der Normrunde entspricht, die der ACE praktiziert: mindestens 200 Kilometer ohne viel Stau oder Stop&Go, der Großteil davon möglichst sparsam und vorausschauend auf Landstraßen fahren, auf Autobahnen nicht schneller als 120 km/h. Wichtig: Vorher und nachher wirklich „randvoll“ tanken.

  • Liegt der dabei ermittelte Verbrauchswert (getankte Liter mal 100 geteilt durch gefahrene Kilometer) deutlich über der EU-Mix-Angabe, ist als erstes die Reklamation bei einer Vertragswerkstatt erforderlich. Normalerweise wird das Fahrzeug sorgfältig gecheckt und gegebenenfalls die Motorelektronik neu eingestellt.

  • Zeigt diese Nachbesserung keine Wirkung, folgt das Gespräch mit einem Anwalt, um das weitere Vorgehen zu beraten. Ratsam ist in der Regel, ein Gutachten in Auftrag zu geben, das die überhöhten Verbrauchswerte zusätzlich dokumentiert. Empfehlenswert ist hier ein amtlich bestellter und vereidigter Sachverständiger – um Probleme bei der Kostenerstattung durch die Rechtsschutzversicherungen auszuschließen.

  • Bestätigt das Gutachten die (zu) hohen Verbrauchswerte, sollte man den Händler nochmals mit diesem Ergebnis konfrontieren und zur Nachbesserung beziehungsweise – wenn bereits zwei Versuche erfolglos waren – zur Rückgängigmachung des Kaufvertrages auffordern. Wird dies abgelehnt, wäre eine Klage vor Gericht der nächste Schritt. Im Laufe des Prozesses ist es durchaus möglich, dass das Gericht ein eigens Gutachten in Auftrag gibt.

  • Rechtsstreitigkeiten über Spritverbrauchswerte sind sehr aufwändig, allein schon aufgrund der zu erwartenden Kosten für  Sachverständige. Wer ohne Rechtsschutz klagt, geht also ein hohes Prozess- und Kostenrisiko ein.

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