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So will VW die manipulierten Motoren nachbessern

25.11.2015 | 14:29 Uhr |

Volkswagen hat heute die technischen Maßnahmen vorgestellt, mit denen das Stickoxid-Problem bei den meisten manipulierten Dieselmotoren vom Typ EA 189 gelöst werden soll. In vielen Fällen soll ein Software-Update reichen. Für einige betroffene Motoren gibt es aber noch keine finale Lösung.

Hinweis: Die in diesem Artikel beschriebenen Probleme haben nichts mit dem erst kürzlich entdeckten Software-Problem bei der Energierückgewinnung/Rekuperation von neuen VW-Modellen zu tun. Über das Rekuperationsproblem berichten wir hier in einer separaten Meldung.

Ende des Updates, Beginn der ursprünglichen Meldung:

Volkswagen hat dem Kraftfahrtbundesamt die technischen Lösungen für den ersten Teil des Abgasskandals vorgestellt. Dabei handelt es sich um die TDI-1.6- und 2.0-Motoren, die mehr Stickstoffoxide (NOx) ausstoßen, als sie gemäß den gesetzlichen Vorgaben dürfen.

Volkswagen setzte in diesem Zusammenhang eine unerlaubte Software in den Steuergeräten der Fahrzeuge ein, die entdeckte, wenn das Fahrzeug einer Schadstoffprüfung auf dem Rollenstand unterzogen wurde, und dann prompt den Schadstoffausstoß runter regelte. Für diesen Vorgang hat VW nun die Lösungsmaßnahmen für zwei der drei betroffenen Dieselmotoren vorgestellt.

Hardwaremaßnahmen bei den 1.6 TDI Motoren

Beim 1,6-Liter EA 189-Motor wird direkt vor dem Luftmassenmesser ein sogenannter Strömungstransformator befestigt. Das ist ein Gitternetz, das den verwirbelten Luftstrom vor dem Luftmassenmesser beruhigt und so die Messgenauigkeit des Luftmassenmessers entscheidend verbessert. Der Luftmassenmesser ermittelt die aktuell durchgesetzte Luftmasse; ein für das Motormanagement sehr wichtiger Parameter für einen optimalen Verbrennungsvorgang. Zudem wird an diesem Motor noch ein Software-Update durchgeführt. Die reine Umsetzung der technischen Maßnahmen wird voraussichtlich weniger als eine Stunde in Anspruch nehmen.

Software-Update für 2.0 TDI Motoren

Die 2,0-Liter-Aggregate bekommen ein Software-Update. Die reine Arbeitszeit für diese Maßnahme wird rund eine halbe Stunde betragen. Sagt VW.

Damit stehen für den Großteil der betroffenen Fahrzeuge die Abhilfemaßnahmen fest. Nach der Umsetzung der technischen Maßnahmen erfüllen die Fahrzeuge die jeweils gültigen Abgasnormen, versprechen die Wolfsburger. VW zufolge sollen die oben genannten Maßnahmen weder zu Mehrverbrauch noch zu Einbußen bei den Fahrleistungen führen. Doch aufgepasst: „Da jedoch zunächst alle Modellvarianten gemessen werden müssen, kann die Erreichung dieser Ziele zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht final bestätigt werden“, schreibt VW einschränkend.

Offen ist aber noch die Lösung für den ebenfalls von der NOx-Schummelei betroffenen Dieselmotor mit 1.2 Liter Hubraum. Die finale technische Lösung für den 1,2-Liter-Dieselmotor will Volkswagen dem KBA Ende des Monats präsentieren. Dabei handelt es sich laut VW voraussichtlich um ein Software-Update.

Ab Januar 2016 sollen die ersten Fahrzeuge im Rahmen eines Rückrufes in die Werkstätten gerufen werden. Nach Einschätzung von VW werden sich sämtliche Maßnahmen im Zuge des Rückrufes für alle Motorvarianten über das Kalenderjahr 2016 erstrecken.

Wie VW den Rückruf und den damit verbundenen Werkstattaufenthalt den Kunden so erträglich wie möglich machen will, sagt der Konzern im Detail nicht. Sondern recht lapidar heißt es aus Wolfsburg: „…wird Volkswagen mit jedem Kunden Kontakt aufnehmen und sich darum bemühen, die individuellen Kundenbedürfnisse im Rahmen der Umsetzung der technischen Maßnahmen zu berücksichtigen, um etwaige Nachteile für die Kunden, wie z.B. mögliche Mobilitätseinschränkungen, zu vermeiden. So sichert die Marke Volkswagen in diesem Zusammenhang zu, dass allen Kunden eine angemessene Ersatzmobilität kostenfrei angeboten wird.“ Gutscheine wie in den USA - dort im Wert von 1000 US-Dollar - bekommen die Kunden in Deutschland also nicht.

Unter www.volkswagen.de/info kann jeder Kunde prüfen, ob und wie er von dem Problem betroffen ist. Dazu ist die Fahrgestellnummer erforderlich.

In Anlehnung an die Vorgehensweise der Marke Volkswagen planen die weiteren Marken des Konzerns – Audi, Seat, Skoda und Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) – für ihre betroffenen Fahrzeuge ebenfalls entsprechende Maßnahmen.

Die Volkswagen AG verzichtet darüber hinaus ausdrücklich bis zum 31. Dezember 2016 auf die Erhebung der Verjährungseinrede im Hinblick auf etwaige Gewährleistungsansprüche/ Garantieansprüche wegen der in Fahrzeugen mit Motorentyp EA 189 eingebauten Software, sofern diese Ansprüche nicht bereits verjährt sind.

Soweit also zur NOx-Problematik. Zum zweiten, neueren Teil des VW-Abgasskandals , dem manipulierten Kohlendioxidausstoß und falsche Angaben zum Kraftstoffverbrauch bei Diesel- und Benzin-Fahrzeugen hat sich VW in diesem Zusammenhang nicht geäußert.

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