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Snowden-Dokumente bringen Vodafone in die Kritik

21.11.2014 | 11:45 Uhr |

Snowden-Dokumente enthüllt: Offbar hilft eine Vodafone-Tochter dem britischen Geheimdienst beim Ausspähen von Nutzern.

In den Dokumenten des Whistleblowers Snowden wurden Hinweise darauf entdeckt, dass eine Tochter des Unternehmens Vodafone enger ins das Internet-Überwachungsprogramm des britischen Geheimdienstes GCHQ involviert ist als bisher angenommen. Das berichten WDR, NDR, Süddeutsche Zeitung und der britische Fernsehsender Channel4, die die Dokumente einsehen und analysieren konnten.

Konkret geht es um das britische Unternehmen Cable & Wireless, das seit 2012 zu Vodafone gehört. In den Snowden-Dokumenten laute der Tarnname des Unternehmen "Gerontic". Den Dokumenten zufolge sollen "Gerontic"-Mitarbeiter mit Geheimdienstmitarbeitern zusammengearbeitet haben. Ein Geheimdienstmitarbeiter soll sogar als "integrierter Projektmitarbeiter" bei "Gerontic" gearbeitet haben. Es finden sich auch Hinweise auf erhebliche Geldflüsse zwischen dem britischen Geheimdienst und "Gerontic". Dabei gehe es um Millionenbeträge.

Weiteren Dokumenten sei auch zu entnehmen, dass 2009 rund 70 Prozent der ausgeleiteten Datenmenge, auf die GCHQ Zugriff gehabt habe, über "Gerontic" gelaufen sei. Damit habe der Geheimdienst wahrscheinlich über "Gerontic" den Zugriff auf Informationen von Kabeln anderer Firmen erhalten. "Gesammelt wurden diese Informationen für ein Programm mit dem Codenamen Incenser, das laut mehrerer NSA-Dokumente auch nach der Übernahme von Cable&Wireless durch Vodafone bis mindestens April 2013 fortgeführt wurde", so das Ergebnis der Recherche.

Vodafone betont dagegen, dass man "Geheimdiensten und staatlichen Behörden in keiner Form den Zugang zu Kundendaten" gebe. Ausnahme sei, wenn man "von Gesetzes wegen dazu verpflichtet" werde und entsprechende Aufforderung erhalte. Vor der Übernahme sei auch das Verhalten von Cable & Wirless überprüft worden. Dabei habe man aber keinerlei Hinweise darauf gefunden, dass gegen Gesetze in Deutschland, Großbritannien und der EU verstoßen wurde.

An der Darstellung von Vodafone zweifelt allerdings offenbar das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung liegt ein als Verschlusssache eingestuftes Schreiben des BSI an das Bundesinnenministerium vor. Das BSI hatte Mobilfunkunternehmen aufgrund der Snowden-Enthüllungen zum Thema Datensicherheit befragt.

"Die Selbstauskunft von Vodafone Deutschland lässt für mobile Kommunikation innerhalb des deutschen Rechtsraumes bislang keinen eindeutigen Schluss zu, ob der Zugriff auf bzw. die Ausleitung von Metadaten (bspw. "Billing Informationen) oder SMS in ausländische Rechtsräume unterbleibt", heißt es in dem Dokument des BSI. Vodafone äußert hierzu, dass man nicht verstehe, wie das BSI zu dieser Einschätzung komme und man die Vorwürfe nicht nachvollziehen könne.

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